Bergwandern mit Kindern – geht das überhaupt?

Man mag kaum glauben, wie toll aktiv man mit Kindern sein kann. Hier ein Appell an all jene, die die Wanderschuhe bereits an den Nagel gehangen haben und denken, dass es erst in 18 Jahren wieder losgeht – bitte wieder abnehmen und den Kindern welche besorgen. Mit einigen Hilfsmitteln, starken Nerven und einer gesunden Motivation geht beizeiten schon wieder vieles…

Bergwandern mit Kindern – die besondere Herausforderung

Wandern mit Kindern? Ein erfüllendes Erlebnis? Ja, denn Motivation ist alles!

Es ist nun das zweite Jahr hintereinander, dass wir mit unseren Kindern in den Herbstferien zum Wandern in die Alpen fahren. Unsere beiden sind Anusha (knapp 6 Jahre) und Janosch (knapp 8 Jahre). Da mag man denken, dass es sich hierbei nur um Minitouren oder Seilbahnfahrten handelt. Absolut nicht, und einmal mehr waren wir wieder sehr verblüfft, was schon alles geht und vor allem in was für einer Intensität. Es kommt natürlich immer darauf an, was man sich vornimmt. Ich, der immer gern etwas übereifrig und sportlich plant, kann mittlerweile auch besser realistische Ziele abschätzen. Aus eigener Erfahrung sollte man folgende Überlegungen anstellen:

Leistungsvermögen der Teilnehmer:

Es ist klar, dass man nicht von Null auf Hundert durchstarten kann. Kinder, die sofort überfordert sind, finden überhaupt keinen Gefallen am Wandern und werden es nach schlechten Erfahrungen auch nicht mehr gern machen. Auf kleinere Touren Stück für Stück aufbauen und den Kindern eine grundlegende Wanderkondition antrainieren. Die längste und schwierigste Etappe während des Urlaubs ist dann die Königsetappe und braucht besondere Highlights während der Tour.

Passende Ausrüstung:

Kinder müssen ihre Ausrüstung gern tragen und damit gut Freund sein. Feste Wanderschuhe und wettergerechte Kleidung sind Voraussetzung. Wenn die Kinder merken, dass sie den erwachsenen Trekkern sehr ähnlich sind, dann sind sie mächtig stolz und fühlen sich dazugehörig. Wer dann noch einen leichten Rucksack mit Trinkflasche schultert, einen Wanderstock dabei hat und ein eigenes Messer am Gürtel trägt, ist quasi schon Profi. Unsere Kinder finden es cool, wenn man sie als Erwachsener um ihre stylischen Wanderschuhe oder leuchtenden Wetterjacken beneidet.

Profil und Höhepunkte während der Wandertour:

Generell sollte man sich für eine Unternehmung immer gut belesen und entsprechende Vorbereitungen treffen. Einfach drauf los zu stürzen, geht mit Kindern oft nach hinten los. Lieber unterwegs einige Optionen für Verlängerungen in petto haben, als eine Etappe von vorn herein zu lang abschätzen. Bergbauden und Verpflegungspunkte sind ganz wichtig. Nicht nur Erwachsene kehren gerne ein. Kinder lieben es von der Karte zu bestellen und in warmen Berghütten Softdrinks wie Cola trinken zu dürfen. Natürlich sollte auch ein Gipfel dabei sein, der auch wirklich als ein solcher erkennbar ist. In den Alpen stehen fast überall Gipfelkreuze und es gibt Gipfelbücher. Janosch hat es genossen seine Eintragungen nun als Zweitklässler selbst machen zu können. Anusha schreibt als Vorschulkind ihren Namen auch schon selbst und hatte somit auch diese Freude. Gipfelstempel sind auch interessant. Kann man doch das eigene kleine Tourenbüchlein damit bestempeln. Wenn am Anfang und Ende eine Seilbahnfahrt dabei ist, sind alle Anstrengungen und Entbehrungen ganz schnell vergessen. Lange Touren durch Wälder ohne Aussicht oder Hindernisse (Thüringer Wald oder Erzgebirge) sind für Kinder oft langweilig. Leichte Kraxeleien, Leitern und Treppen (Sächsische Schweiz) dagegen, sind berauschende Erlebnisse bei einer Tour.

Motivation und Ausgleich:

Wer gut wandert, hat sich auch eine Belohnung verdient. Da man eh nicht jeden Tag lange Touren gehen kann, sollte man auch ein etwas leichteres Programm bereithalten. Unsere Kinder sind verrückt nach Freizeitbädern. In fast jeder größeren Stadt gibt es ein Freizeitbad. Dabei wechseln sich die Eltern in der Betreuung ab und der jeweils andere Part hat dann mal frei. Abends sind die Kinder dann abgekämpft und zufrieden. Oder man geht eine etwas kürzere Tour (durch eine Klamm beispielsweise) und im Anschluss wartet dann das versprochene Vergnügen. Funktioniert super!

Die Eltern kommen nicht zu kurz:

Selbstverständlich sind 10km des Wanderns für die ambitionierten Hiker nur eine Erwärmung. Wer noch Lust und Kraft hat, wechselt dann einfach die Wanderschuhe in Laufschuhe und joggt alles noch einmal ab oder besser, holt das Auto auf dem Wanderparkplatz. Rundtouren wieder zurück zum Auto sind oftmals schwer zu planen und für den sportlichen Vater eine willkommene Herausforderung. Dann hat man den Ausgleich ohne die Geister. Wer früh vor der Wanderung noch joggen geht, nimmt dann auch mal Rückschläge leichter in Kauf und ist nicht enttäuscht, wenn die Wanderung nicht so geht, wie man gern wollte. Man hatte sich ja zum Glück am Morgen schon ausgetobt.

Schlechtwettervarianten:

Schlechtes Wetter gibt es eigentlich nicht. Bei uns geht es immer raus. Bei Schlechtwetter testet man sozusagen seine Ausrüstung. Ein schöner warmer Berggasthof, den man bei Regen fast allein nutzen kann oder eine Rückfahrt mit einer (Berg-)Bahn sind Ansporn genug. Pfützen und Bächlein sind zudem prima Spielplätze. Mit Museen ist es bei schlimmer Wetterküche immer so eine Sache. Da rennen sie alle hin. Entweder man ist beim Aufschließen schon da oder man geht dann zum späten Nachmittag, ne Stunde vor Torschluss – dann sind sie alle durch.

Fazit und Auszeichnung:

Grundsätzlich kann man überall Wanderungen unternehmen, nur muss man sehen, dass man die Kinder geschickt motiviert und eine Tour entsprechend schmackhaft macht. Sicher ist, wenn man eine Leidenschaft in gesamter Familie immer wieder auslebt, dann kommt die Motivation und die Einstellung dazu von ganz allein. Und nichts ist zwanghaft oder aufgedrückt. Irgendwann überraschen sie einen selbst, indem sie fragen, wann es wieder losgeht z.B. mit den Rädern von Zeltplatz zu Zeltplatz. Nach einer Tour zertifiziert man alles mit einer Urkunde und schenkt somit ein schönes Andenken. Da kann man schon einmal stolz wie Bolle sein.

Euer Stefan Hilger

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