Metro fahren in Teheran

Seit nunmehr 3 Jahren fasziniert mich das stabile Land Iran im Mittleren Osten mit all seinen schönen und weniger schönen Facetten. Im Rahmen einer Dienstreise hatte ich einen Tag Zeit in Teheran. Endlich  konnte ich mir einen lang gehegten Wunsch für diese Stadt erfüllen: einmal mit der Metro durch die Hauptstadt zu Füßen des Elbursgebirges. Teheran erfüllt nun wirklich alle schlechten Klischees einer inzwischen 15 Millionen Einwohner zählenden Metropole: Smog, unglaublich viel Verkehr, stickige Luft in den Sommermonaten, Bausünden kleineren und größeren Ausmaßes.
Umso wichtiger sind die kleinen Rückzugsmomente und dazu gehört für mich eine Fahrt mit der Metro. Seit 2001 sind in Teheran 5 U-Bahnlinien in Betrieb. Die Länge des Streckennetzes beträgt 75 Kilometer und es werden 69 Stationen bedient. Von 05:30 Uhr bis 22:30 Uhr gelangt man ohne Stau in alle 4 Himmelsrichtungen Teherans.

Über Rolltreppen geht es hinab und ein starker Luftstrom lässt die schwarzen oder auch farbigen Umhänge der iranischen Frauen tanzen. Am Ticketschalter erkundige ich mich mit englischen Brocken und Zahlen in Farsi, welche Tickets es gibt. Die Frau hinter dem Schalter, die zwischendurch mit ihrem Handy spielt und ich einigen uns auf das Two-Trips-Ticket für 20.000 Rial. Das sind umgerechnet etwa 50 Cent. Zwischendurch schieben sich immer wieder Hände mit Geldscheinen in das Fensterchen der Schalterfrau – ein Warten bis man dran ist, gibt es hier nicht. Beim Einscannen des Tickets habe ich keinen Erfolg – doch schon kommt mir ein freundlicher Mann zu Hilfe und bringt mich durch die Schranke. Die weitere Orientierung fällt leicht, da die unterschiedlichen U-Bahnlinien und Richtungen in lateinischen Buchstaben ausgewiesen sind. Stolz, das ich nun am richtigen Gleis stehe, steige ich unbedarft in die eingefahrene Bahn. Und fühle sofort, irgendetwas stimmt hier nicht. Ich komme mir plötzlich wie eine Außerirdische vor – wohin ich auch schaue: nur Männer. Verstohlene aber keineswegs vorwurfsvolle Blicke treffen mich. Zum Glück muss ich schon bald umsteigen. Zweiter Versuch. Diesmal bin ich aufmerksamer. Tatsächlich, kurz vor dem Tunnel sitzen Frauen und dieser Bereich ist sogar mit „woman only“ gekennzeichnet. Je nach Stimmungslage kann man vom ersten oder vom letzten Fünftel des Bahnsteiges sprechen.

Ich geselle mich zu den Frauen und diesmal steige ich dann auch in das richtige Abteil – Frauenabteil – ein. Wohler fühle ich mich hier allerdings nicht. In vielen Gesichtern lese ich Gleichgültigkeit, Skepsis oder einfach nur Bitterkeit. Kaum mal ein Lächeln auf den Lippen. Die Frauenabteile sind vor allem dafür vorgesehen, dass Frauen, die ohne männliche Begleitung in der Stadt unterwegs sind, vor den Blicken des anderen Geschlechts geschützt sind – so die Beschreibung auf der offiziellen Internetseite der Metro…
Das Raumklima ist ebenfalls frostig, Temperaturen wie in der Kühlkammer. Im Hochsommer kann man das als angenehm empfinden oder der Körper reagiert gestresst bei locker 20 Grad Temperaturunterschied. Beim Verlassen der Metro muss man das Ticket nicht mehr vorzeigen oder scannen.

Sollte es Euch einmal nach Teheran ziehen, hier von mir 10 Tipps abseits der üblichen Touristenziele:

1. Galerietag (Freitag)
Der Freitag ist im Iran der Sonntag. Ein Tag, an dem die meisten Menschen nicht arbeiten müssen. Daher sind am Freitag zahlreiche Galerien geöffnet und davon gibt es um die 200 in der Stadt!

2. Fahrt mit der Seilbahn auf Teherans Hausberg Tochal (3.964 Meter)
Mit dem Taxi oder mit der Metro fährt man in den Norden der Stadt bis zum Parkplatz der Seilbahnstation (Tochal Telecabin). Nach einem Fußweg von etwa 2 Kilometern erreicht man die Talstation der 7,5 Kilometer langen Seilbahn. Verlässt man die Kabine auf Station Nummer 7 ist man etwa auf 3.740m und hat dann die Möglichkeit auf einem breiten Weg bis zum Gipfel des Tochal hinaufzulaufen. Den Zahn „tolles Panorama“ muss man aber leider ziehen: die meiste Zeit des Jahres liegt Teheran unter einer dicken Dunstglocke. Dafür landet man fast immer im Schnee und man hat die Möglichkeit, mit Einheimischen ins Gespräch zu kommen. Die Betriebszeiten und Preise findet man auf der englischsprachigen (!) Internetseite.
Tochal Seilbahn Teheran

3. Besuch des Museums für Zeitgenössische Kunst (TMOCA)
Es ist hierzulande kaum bekannt – aber das Museum für Zeitgenössische Kunst in Teheran verfügt über die größte Sammlung zeitgenössischer Kunst außerhalb Europas und der Vereinigten Staaten. Bilder so bedeutender Künstler wie Andy Warhol, Claude Monet, Vincent van Gogh, Pablo Picasso oder Max Ernst wurden in den 70er Jahren unter der letzten iranischen Kaiserin, Schahbanu Farah Pahlavi, zusammengetragen. Nach der iranischen Revolution 1979 schlummerten diese Werke jedoch die meiste Zeit im Depot des Hauses. In den Ausstellungen werden bis heute fast ausschließlich iranische Künstler präsentiert.

4. Filmmuseum
Vor allem in den letzten Jahren haben iranische Filme auf internationalen Festivals in Cannes, Venedig oder auch Berlin immer wieder Preise abgeräumt und von sich Reden gemacht. In einer noblen Villa in der Parkanlage Bagh-e Ferdows im Norden der Stadt wird die Geschichte des iranischen Films von 1932 bis heute (mit englischen Erklärungen) dargestellt. Im dazugehörigen Kino mit zwei Sälen werden täglich (außer an Trauertagen) 15, 17, 19 und 21 Uhr klassische und aktuelle Filme gezeigt. Wählen Sie für Ihren Kinobesuch den Ferdows-Saal – hier erleben Sie ein Kinoerlebnis à la persisch.

5.  Tabiat-Brücke
Die 270 Meter lange Fußgängerbrücke im Norden der Stadt wurde von der jungen Architektin Leila Araghian entworfen. Für die raffiniert geschwungene Brücke erhielt die 1983 geborene Architektin, die ihr Handwerk in Großbritannien und im Iran studiert hat, mehrere Auszeichnungen. Das urbane Meisterwerk verbindet zwei Parks miteinander und hat drei Ebenen: eine für JoggerInnen und RadfahrerInnen, eine mit Cafés und eine Ebene, die als Aussichtsplattform dient.

6.  Fernsehturm Borj-e Milad
Der sechsthöchste Fernsehturm der Welt des Architekten Reza Hafezi thront im Norden der Stadt. In seinem Turmkorb befindet sich ein sehr teures Restaurant. Hier sind vor allem Touristen und die Schickeria der Hauptstadt anzutreffen. Die Sicht an klaren Tagen ist spektakulär.

7. Spaziergang entlang der Valy-Asr Allee
Wer die gesamte Straße vom Tajrish Platz bis zum Bahnhof zu Fuß erkunden möchte, begibt sich auf eine Tageswanderung. Die wichtigste Straße der Stadt schlägt eine 17,5 Kilometer lange Schneise von Norden nach Süden. Im Norden bilden noch Villen und teure Geschäfte die Kulisse links und rechts des Asphaltbands. Mit dem Abstieg in den tiefer gelegenen südlichen Stadtteil gelangt man leider auch in die ärmeren Viertel Teherans. Imposant sind die mächtigen Platanen, welche die Straße flankieren.  Sie spenden Schatten und Sauerstoff.

8.  Spaziergang entlang der 30th Tir Street
Neben dem Golestanpalast (UNESCO-Weltkulturerbe) und dem wichtigsten Museum Teherans, dem Nationalmuseum, befinden sich auf dieser Straße außerdem: ein evangelisches Gotteshaus, eine Synagoge, ein zoroastrischer Feuertempel, eine armenische Kirche und ein indischer Sikh-Tempel. Hätte man dies in einem islamischen Staat erwartet?

9. Dizi essen
Dizi ist eines der Nationalgerichte Irans. Es ist ein Schmorgericht mit so leckeren Zutaten wie Lammfleisch, Kichererbsen, weißen Bohnen, Tomaten, Zwiebeln, getrockneten Limetten und Kurkuma. Und das beste Dizi der Stadt gibt es derzeit laut Reisecommunity im gleichnamigen Restaurant Dizi, Iranshahr shomali, Mousa Kalantari street, n#52. Schmecken lassen.

10. Café Naderi
Besuchen Sie das Café Naderi, in der Nähe der britischen Botschaft. Hier treffen sich iranische Künstler und Intellektuelle,  um über eine mögliche Zukunft des Landes zu diskutieren.

Eure Constanze Hauf

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