Mit Baby auf großer Radtour

700 Km entlang der Donau von Passau bis nach Budapest

Den Donauradweg mit Baby: Abenteuer des 4 Monate alten Janosch

Unsere Familie erklärte uns für verrückt als wir kundtaten, dass wir vorhatten den Donauradweg mit Baby zu fahren. Als unser Janosch jedoch 4 Monate alt war, lockte uns die Sehnsucht nach Abenteuer und Ferne wieder ganz stark. Besonders ich als nun schon routinierte Mama wollte mal raus aus dem Mutter- und Babyalltag und erleben, dass man auch mit Nachwuchs seinen aktiven Lebensstil fortsetzen kann (und es auch meinem Lebensgefährten und Kindsvater zeigen). Zu dem Zeitpunkt waren wir noch nicht mutig genug, mit Zelt aufzubrechen, es war auch Mitte April, und so entschieden wir uns für eine Fahrt von Unterkunft zu Unterkunft entlang des Donauradwegs von Passau bis nach Budapest. Natürlich hatten wir neben einigen Ausfahrten im Hänger in Dresden im März eine größere Probetour zum Schloss Weesenstein unternommen, die unser Baby warm eingepackt, quietschvergnügt und meist schlafend mitgemacht hat, und sich auch von einem platten Reifen und Reparaturpause unterwegs nicht stören ließ. Und so wagten wir das Abenteuer von knapp 700 Km Radtour in 2 Wochen.

Gut gepackt ist halb gewonnen

Ausgestattet mit einem Croozer-Fahrradhänger mit einer Weberschale, in der Janosch bequem liegen konnte, und jeder mit zwei Radtaschen vorne und hinten, machen wir uns auf den Weg. Wir sind auf alle Wetterlagen vorbereitet mit Kleidung für uns und Baby Janosch nach dem Zwiebelprinzip. Am Ende haben wir wie meistens trotzdem viel zu viel mit, da es das Wetter mit uns gut meint und warm bis heiß ist trotz des zeitigen Frühjahrs. Janosch war inzwischen ein guter Trinker und wurde voll gestillt, so dass wir für ihn keinerlei Fläschchen oder Gläschen mitnehmen mussten; sein Essen war quasi immer dabei. Wir versorgten uns unterwegs mit Picknickproviant für tagsüber und einem warmen Essen am Abend. Als Alternative für Janosch hatten wir noch eine Babytrage dabei (Manduca), die uns unterwegs gute Dienste leistete. Natürlich gehörten noch sein kleiner Schlafbär, sein Schlafsäckchen und ein paar Windeln ins Gepäck. Unterwegs war es kein Problem, Dinge wie Windeln und Feuchttücher nachzukaufen.

Schlafen in jeder Lebenslage

Zum Glück ist der Donauradweg recht moderat und birgt nicht zu viele starke Anstiege, so dass das Radeln sehr genussvoll war und wir gut vorankamen. Die größte Herausforderung war oft, am Abend ein Quartier zu finden. Wir legten täglich zwischen 60 – 80 Km zurück und unterbrachen auch die Tour mehrmals mit einem Ruhetag, wo wir 2 Nächte an einem Ort blieben und uns zu Fuß umschauten. Dafür war die Manduca goldwert. Janosch schlief tagsüber seelenruhig in seinem Hänger, und wenn er nicht schlief schaute er mit großen Augen raus. Mittags legten wir immer eine Rast ein und trainierten den Mittagsschlaf mit ihm, und es funktionierte: Drehte man ihn auf der Decke auf die Seite und streichelte ihn auch ein bisschen, schlief er regelmäßig ein. Und auch sonst gefiel ihm das Vagabundenleben ausgesprochen gut. Beim Wickeln auf der Wiese in der Sonne war ihm das Wohlbehagen anzusehen, und sich auch mal windelfrei die Sonne auf den Po scheinen zu lassen gefiel ihm ausnehmend gut. Und auch am Abend machte er trotz der wechselnden Unterkünfte beim Einschlafen keine Sperenzien und schlief nach seiner Milchmahlzeit beizeiten Kopf an Kopf tief und fest neben seinem Schlafbären. Nachdem das ein paar Tage gut funktioniert hatte, trauten wir uns auch mal ein paar Schritte weiter weg von unserem Quartier zum Abendessen im Ort. Wir denken, dieses frühzeitige Schlafen an wechselnden Orten war auch die Grundlage dafür dass er später keine Mühe hatte, irgendwo in der Fremde zu übernachten. (Später haben wir uns für unsere Unternehmungen ein kleines und leichtes Spielzelt besorgt und egal wo, unsere Kinder haben mittags im Zeltchen auf der Decke oder im Schlafsack ihren Mittagsschlaf gemacht und wir konnten so den ganzen Tag draußen unterwegs sein.)

Reiselust mit der Muttermilch aufgenommen

Natürlich gab es unterwegs angespannte Situationen, besonders in den Großstädten Wien und Budapest, wo die Quartiersuche eine enorme Herausforderung darstellte. Waren wir gestresst, übertrug sich das automatisch auf Janosch, der dann auch quengelig wurde. Und andersrum natürlich, wenn er gegen Abend unruhig wurde und Ruhe und ein Bett brauchte, übertrug sich seine Anspannung auf uns. Zum Glück waren diese Momente selten, da wir meistens am späten Nachmittag ein Zuhause für den Abend gefunden hatten. Auf den holperigen und lauten Straßen Budapests wollte er dann nicht mehr im Hänger sitzen, aber da hatten wir unsere Trage parat in welcher er sich geborgen fühlte und schnell beruhigte. Insgesamt hat er die Radtour mit viel Gelassenheit gemeistert, und egal wo wir unterwegs waren, ob in Österreich, der Slowakei oder Ungarn, durch unser kleines Baby wurden wir stets herzlich aufgenommen und großartig unterstützt, wo es notwendig war.

Unser Janosch ist inzwischen fast 8, aber seine Begeisterung für das Draußensein in der Natur ist ungebrochen und er ist ein toller Radfahrer und Wanderer. Egal wo wir sind, immer findet er unterwegs Dinge zum Spielen und kann sich mit viel Fantasie mit wenigen und einfachen Sachen lange beschäftigen. Wir sind uns sicher, die Grundlagen dafür bei ihm und seiner Schwester in der frühen Kindheit mit solchen Aktionen gelegt zu haben. Und für uns gibt es nichts Schöneres als wenn die Kinder fragen, wann wir denn wieder die nächste Radtour mit Zelt von Zeltplatz zu Zeltplatz unternehmen. Nächsten Sommer ist es wieder soweit!

Fazit

Wenn man aktiv seine Freizeit mit Radfahren und Wandern verbringt, kann man auch mit Babies und Kleinkindern diesen Lebensstil fortsetzen. Auch wenn die Vorbereitung etwas intensiver, die Art unterwegs zu sein etwas aufwändiger und anstrengender sein mag, der Erlebnis- und Erinnerungswert ist für alle umso schöner!

Eure Nadia Hilger

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