Wi-Fi-Session auf dem Perserteppich

Bei meinen Reisen in ferne Länder bin ich immer wieder auf der Suche nach traditionellen Unterkünften. Vielleicht gehört Ihr ja auch zu denjenigen, die nicht allzu gern in oftmals (zum Glück nicht immer) unpersönlichen Hotels übernachten. Im Dibai House in der Stadt Isfahan (Iran) habe ich mich während meines  viertägigen Aufenthaltes im Sommer 2016 besonders wohl gefühlt.

Graue Maus von außen

Traditionelle Wohnhäuser im Iran sind von außen unscheinbar. Die Mauern bestehen aus Lehm und bleiben ohne Dekor. Das würde auch nicht lange halten, denn nicht selten fegen Sandstürme über die Stadt hinweg. Die Haustüren sind klein und aus Holz – manchmal sind sie mit aufwendigen Schnitzereien verziert. Typisch sind die beiden Türklopfer – einer in Form eines Stabes und einer in Form eines Ringes. Für die Frauen im Haus ist es noch heute wichtig, bereits am unterschiedlichen Klopfton zu erkennen, ob ein weiblicher oder ein männlicher Gast sich ankündigt. Denn Männern müssen sie auch im eigenen Zuhause verschleiert gegenübertreten. Meine Gastgeberin Madam Sufi geht mit der Zeit – sie hat bereits eine Videoanlage.

Fest der Farben im Inneren

Nach der Eingangstür gelange ich in einen überkuppelten kleinen Vorraum. Bereits hier begrüßen mich die ersten Farben und Muster. Nach wenigen Schritten befinde ich mich in einem wunderschönen Innenhof mit Blumen, Sitzgelegenheiten und einem kleinen Wasserbecken. In einem Land, wo der Wüstenanteil bei über 50 Prozent liegt, ist Wasser ein sehr kostbares Gut.  Es zeugt somit von einem gewissen Wohlstand, wenn man sich sein eigenes Wasserbecken leisten kann.
Eine weitere Erkundung der verwinkelten Wohnanlage bringt mich zum Herzstück des Gasthauses – in das eigene Badehaus (Hoz Khane). Ich setze mich auf einen der Diwane und betrachte in Ruhe die aufwendigen Stuck- und Dekorarbeiten. Mir fällt auf, dass es in dem Raum trotz sommerlichen Außentemperaturen von knapp 30 Grad angenehm kühl ist. Hier kann ich nun selbst erleben, wie iranische Klimaanlagen ganz ohne Strom funktionieren. Ganz oben, in der Kuppel, steht ein kleines Fenster offen. Die Nachtwinde strömen in den Raum hinein, treffen auf ein gefülltes Wasserbecken und es wird ein kühlender Effekt erzielt.

Kellerschmaus

Eine weitere für uns gewöhnungsbedürftige architektonische Besonderheit besteht darin, dass man zum Speisen in den Keller geht. Dabei ist auch dies wieder den fast ganzjährig hohen Temperaturen geschuldet. Im Keller ist es einfach kühler und Lüftungsschlitze zum Hof hin sorgen für den Luftaustausch.

Die Gastgeberin

Madam Sufi führt dieses Gästehaus mit Hilfe ein paar junger Menschen aus Isfahan. Neben ihrer Muttersprache Farsi beherrscht sie Englisch, Französisch und Spanisch. Sie ist immer neugierig auf ihre Gäste und kümmert sich liebevoll um diese. Das Haus gehört ihrer Familie und wurde um 1670 erbaut. Für die Restaurierung erhielt die Familie einen Architekturpreis und das Prädikat iranisches Kulturerbe. Ein besonderes Erlebnis ist ein Kochkurs mit Madam Sufi. Nichts ist geplant und durchstrukturiert wie in Deutschland. Man hat eher das Gefühl, plötzlich zu einem Teil der Familie zu werden, als stände man mit Muttern in der Küche. Nirgends hat das Essen so gut geschmeckt, wie das persische 3-Gänge-Menü, welches wir mit ihr zusammen zubereitet haben.

Die harten Fakten

Das Gästehaus verfügt über 9 Zimmer, die von den beiden Innenhöfen aus zugänglich sind. Die meisten davon haben kein eigenes Badezimmer, dafür aber alle Klimaanlage oder Ventilator. Insgesamt stehen den Gästen in der Anlage jedoch fünf Bäder zur Verfügung. Geschlafen wird in richtigen Betten und nicht, wie sonst üblich, auf dem Teppich. Wifi ist frei verfügbar. Es gibt ein Fernsehzimmer sowie eine separate Küche für die Gäste mit Kühlschrank, Herd, Mikrowelle und Wasserkocher.
Jeden Morgen wird Frühstück serviert mit Brot frisch vom Bäcker, Früchten der Saison, Tomaten, Gurken, Schafskäse und Marmelade. An Getränken stehen Tee, Saft und Instantkaffee bereit.
Zu Fuß erreicht man in nur wenigen Minuten einen Basar (hier gehen vor allem die Einheimischen einkaufen), die Jame-Moschee (UNESCO-Weltkulturerbe) und den Imam-Platz (UNESCO-Weltkulturerbe). Somit ein idealer Ausgangspunkt, um die Stadt Isfahan zu erkunden. Den Iranern gilt sie als die schönste Stadt des Landes, wenn nicht sogar der Welt.

Fazit

Überzeugt Euch selbst von der ganz besonderen Seele dieses Ortes und verbringt Euren Aufenthalt in Isfahan im Dibai House.

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