Ecuadors Vulkane sind meine Passion

Marcelo Puruncajas

Bergführer und Reiseleiter aus Quito/Ecuador

Im Dezember 2016 war ich mit einer Gruppe Bergsteigern in Ecuador. In nur 14 Tagen nahmen wir uns gleich acht Vulkane vor. Marcelo aus Quito sollte für diese kompakte Bergfahrt unser Bergführer sein. Ein Glücksgriff. Zusammen mit Marcelo und seinem Team bestritten wir zwei herrlich abwechslungsreiche Wochen, wo das Bergsteigen voll ausgelebt werden konnte.

Wir akklimatisierten uns an den Vulkanen Fuya Fuya (4205 m), Pasochoa (4200 m), Guagua Pichincha (4794 m), Ruca Pichincha (4784 m), Imbabura (4621 m), Carihuayrazo (5020 m).
Unsere Hauptziele waren Cayambe (5790 m) und Chimborazo (6310 m), jeweils über die Normalroute.

Marcelo lebt mit seiner Familie in Quito und betreibt neben seiner Firma Andes Trek Expeditions das beschauliche Guesthouse Tambocajas. Abends bei Bier und Steak in seiner gemütlichen Küche, erfuhren wir ein wenig mehr über sein Leben, seine Familie, die Liebe zu seinen Vulkanen…

Ihr seid eine Familie von Bergsteigern. Wie gestalteten sich die Anfänge Eurer Firma?

Mein Vater Marcelo Sen. hat die Firma gegründet und mir alles rund um´s Bergsteigen beigebracht. Ich ließ mich dann auch noch offiziell zum Bergführer ausbilden. Wir können mittlerweile auf eine 30-jährige Erfolgsgeschichte zurückblicken.
Anfangs hatten wir kleine Gruppen von 1-2, manchmal 3 Teilnehmern. Es ging stetig bergauf. Heutzutage habe ich oft im Zwei-Wochen-Rhythmus Gruppen bei mir zu Gast, die nicht selten aus 10 und mehr Teilnehmern bestehen. Von Anfang an arbeiten wir mit lokalen Bergführern zusammen und haben heute ein großes Netzwerk im Land. Große Gruppen kann ich ja nicht allein zum Gipfel führen. Ich brauche auch Helfer auf die ich mich verlassen muss.

Nach so vielen Jahren und Gruppen – wird man da nicht müde? Was motiviert Dich?

Zu allererst ist es mein Beruf, mein Job – ich verdiene damit meinen Lebensunterhalt. Ich habe mein Hobby zu meiner Berufung gemacht. Allein das ist Ansporn.
Die Gruppen und Teilnehmer sind ebenfalls immer unterschiedlich. Es gibt verschiedene Situationen am Berg. Allein das Wetter ist immer verschieden und bringt Abwechslung.
Wir haben zum Glück auch viele verschiedene Vulkane mit unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad. Die Angebotspalette ist breit. Ich treffe auf den Touren und Ausflügen auch immer Freunde und Kollegen. So pflege ich meine Freundschaften. Meine Mutter beispielsweise sehe ich mittels der Reisen durch´s Land regelmäßig. Sie betreibt in Baños ein Guesthouse, was wir für Touren im Chimborazo-Gebiet nutzen. So ist es mir möglich immer mal nach dem Rechten zu sehen.
Und zudem möchte ich immer, dass möglichst viele Teilnehmer zusammen mit mir auf dem Gipfel stehen und die fantastischen Sonnenaufgänge genießen können. Das macht mich und die Gäste glücklich! Das motiviert mich!

Was ist das Besondere am Bergsteigen in Ecuador? Worin liegt die Schwierigkeit?

Die hohen Gletschergipfel wie Chimborazo, Cotopaxi, Cayambe oder Antisana werden alle nachts bestiegen. Damit meine ich nicht, dass wir früh zeitig losgehen, sondern meistens schon um 10 oder 11 am Vorabend. Nachts ist der Gletscher gut zu begehen, dann ist er hart gefroren. Sobald aber die Sonne rauskommt, wird es schnell sehr heiß. Hier am Äquator ist die Sonneneinstrahlung sehr intensiv. Der Gletscher weicht auf und die Bedingungen sind nicht mehr gut, können sogar gefährlich werden. Spätestens zum Sonnenaufgang sollte man stets auf dem Gipfel sein und dann zügig absteigen. So hat man auch automatisch eine natürliche Umkehrzeit. Für die Aspiranten ist das sehr hart, denn man schläft vor dem Start eigentlich nicht wirklich, sondern ruht nur. Nachts muss man sich trotz großer Müdigkeit sehr konzentrieren. Das strengt unheimlich an. Auf den Rückfahrten von den Berghütten herrscht immer Totenstille – alle schlafen! Leider schmelzen auch bei uns die Gletscher zusehends. Vor 10-20 Jahren waren viele Gipfel einfacher zu besteigen. Jetzt muss viel im Fels geklettert werden und die Gefahr von Steinschlag nimmt immer mehr zu!

Leider ist der Cotopaxi seit dem Ausbruch in 2015 noch immer gesperrt. Hast Du aktuell eine Info, wann der Cotopaxi wieder freigegeben wird? Wie kompensiert Ihr das? Schließlich ist der Cotopaxi der Traumgipfel schlechthin?!

Höchstwahrscheinlich noch in diesem Jahr, aber genaues kann man erst nach der Wahl in Ecuador sagen. Die Freigabe kommt von ganz oben! Wahnsinn – das ist reine Politik!
Spätestens aber in 2018 sollte das wieder gehen. Allerdings hat der Ausbruch die Normalroute zerstört. Durch die Veränderungen auf dem Gletscher wird die neue Aufstiegsroute dann etwas schwieriger werden. Meine Kollegen arbeiten gerade an einer neuen Aufstiegsroute. Man darf gespannt sein. Zum einen ist das schade, dass der Cotopaxi gerade nicht geht. Kann schon sein, dass einige dann nicht nach Ecuador kommen. Andererseits kommen diejenigen die erst einmal auf die anderen Gipfel gehen, dann vielleicht noch einmal wieder. Das wäre super für den so wichtigen Tourismus nach Ecuador.
Ich gehe jetzt oft mit den Gruppen zum Cayambe – der liegt im Norden und ist fast so hoch wie der Cotopaxi. Ich mag den Vulkan sehr – diese Gletschertour macht einfach nur Spaß.

Du hast viele Jahre in Deutschland gelebt. Was hat Dich am meisten bei uns beeindruckt, was hast Du Dir von den Deutschen behalten? Woran erinnerst Du Dich gern?

Die Deutschen sind fleißige Arbeiter und unheimlich pflichtbewusst. Hier in Ecuador ist das oft nicht der Fall, wenngleich sich auch bei uns vieles ändert. Euer Verantwortungsbewusstsein gegenüber der Natur hat mich sehr beeindruckt. Die Deutschen sind auch unheimlich aktiv und gehen viel raus in die Natur zum Wandern und Klettern. Das ist toll und imponiert mir.
Ich bin Sektionsmitglied des DAV Köln und habe da einen Eiskurs mitgemacht. Das war mein Einstieg bei Euch. Natürlich war ich viel in den Alpen. Das ist ein ganz anderes Bergsteigen als bei uns. Der Montblanc ist mir immer vor Augen – ein toller Berg. Mit einer Gruppe der Spezialeinheit GSG9 hab ich den Eisblock dann bestiegen. Für mich ein überwältigendes Erlebnis.
Und nicht zu vergessen…eines hab ich mir auch noch behalten, nämlich meine Deutsche Frau Katrin aus Köln.

Deine Familie ist in Quito immer mittendrin im Geschehen. Ist es manchmal auch anstrengend mit dem ganzen Trubel im Haus? Was sagen Katrin und klein Oskar zu all dem?

Ich bin sehr froh, dass meine Familie voll hinter dem steht, was ich tue, auch wenn es manchmal etwas turbulent zugeht. Es ist schon ziemlich anstrengend, denn wenn ich mit Gästen von einer Bergtour komme, dann beginnt für mich noch die Schicht mit meinem Sohn Oskar. Bald hab ich ja dann auch zwei Kinder. Dann müssen wir uns noch besser organisieren. Das hab ich zum Glück drüben in Deutschland auch gelehrt bekommen.
Für Katrin ist der Kontakt zu Deutschen/Europäern sehr wichtig. Hier am anderen Ende der Welt freut sie sich über jeden Besucher aus der fernen Heimat. Oskar lernt auch gleich parallel Deutsch und Spanisch – das passt so, wir sind sehr glücklich.

Ganz spontan – Deine ersten drei Wünsche für die Zukunft?

A: Stets Arbeit haben
B: Gesund bleiben
C: Liebe unter den Menschen

Marcelo, ich wünsche Dir und Deiner Familie alles Gute für die Zukunft, vor allem für den anstehenden Nachwuchs toi, toi, toi! Danke für Deine gute Betreuung. Wie Du weißt, hab ich noch einen Sack am Chimborazo hängen, daher werden wir uns in jedem Fall mal wiedersehn.

Ecuador wie und was?

Marcelo freut sich auf Euren Besuch! Schaut unter Bergsteigen Ecuador 
Berg-und Wanderreisen bietet auch Marcelos deutscher Exklusivpartner DIAMIR Erlebnisreisen an.

Am besten fliegt Ihr mit KLM über Amsterdam oder mit Lufthansa via Panama oder Bogota.
Auch die Iberia fliegt via Madrid die Hauptstadt Quito an.

Ihr wohnt gut und preiswert in Quito: Guesthouse Tambocajas

In Baños: La Casa de Pia

Berg Heil!

Stefan Hilger

#Ecuador #Cotopaxi #Anden #Chimborazo #Illiniza Norte

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