Per Rad von Dresden in die Mongolei 1 – Balkanländer und Türkei

Es freut uns immer sehr, wenn wir auch von Freunden und deren Abenteuern berichten können. Solch ein Super-Abenteuer bestreitet momentan unser Freund und Kollege Joschi. Seit nunmehr 6 Wochen sitzt er im Sattel gen Asien. Momentan überquert er die Grenze von der Türkei nach Georgien. Er will es bis in die Mongolei schaffen. Hossa, das hört sich nach einem Husarenritt an! Um ein Stück weit an seiner außergewöhnlichen Fahrradreise teilnehmen zu können, berichten wir in unserem Blog in Abständen von seinen Erlebnissen. Wir statteten Joschi vor seiner Tour mit nützlichen Kontakten und Informationen zu den Ländern aus, die er durchfahren möchte. Wie es ihm und seiner Crew ergangen ist, hat er uns in einem kleinen Interview mitgeteilt. Aber lest selbst…

6 Monate – 10.000 Kilometer
Start: Dresden // Ziel: Ulaanbaatar in der Mongolei

Wie entstand die Idee für diese außergewöhnliche Fahrradreise?

Die Idee war eine Reise zu unternehmen, bei der man entschleunigt die Welt entdecken kann und zwar ab der eigenen Haustür. Das Fahrrad ist dafür ein klasse Transportmittel. Es bringt dich einerseits überall hin und verlangt dir andererseits sowohl physisch als auch psychisch einiges ab. Ungeplante Situationen machen die Reise spannend und abenteuerlich. So war auch die Grundidee, die körperliche Herausforderung zu suchen und ein authentisches Abenteuer zu erleben.

Wer fährt mit?

Wir sind zu viert losgefahren. Mein Abifreund Ludwig, Johanna – Zahnärztin aus München (Freundin von Nina), Tom und meine Wenigkeit. Tom hat planmäßig in Prag die Heimreise angetreten. In Novi Sad (Serbien) kamen Nina (Ludwigs Freundin und auch Abifreundin von mir) und Veikko (WG-Mitbewohner von Johanna) dazu. Wir waren dann für 2 Woche zu fünft. Veikko hat in Sofia die Rückreise angetreten. Seitdem sind wir in unserer geplanten 4er Gruppe unterwegs. Die Gruppe passt, jedoch ist das Tempo unterschiedlich. Dies ist aber selten ein Problem, da wir immer mindestens 100 km täglich schaffen.

Wir haben uns zwischendurch auch immer mal getrennt, je nachdem wer was anschauen wollte oder länger irgendwo bleiben wollte. So habe ich die Gruppe z.B. allein an einem Tag mit 200 km wieder eingeholt, das klappt sehr gut. Wir werden uns sicherlich mal wieder trennen und dann wieder treffen weil die Mädels ein paar Tage mit dem Bus vorfahren und am Strand ausruhen wollen. Bis jetzt sind wir jeden Kilometer mit dem Rad gefahren, Ludwig und ich werden auch daran nichts ändern. Jedoch ist es für die Frauen schon sehr gewöhnungsbedürftig und sie möchten nicht jeden Tag Kilometer schrubben. Wir beide dagegen freuen uns nun auf täglich 150 – 200 km – vielleicht auch mehr, um mal die Limits zu pushen. Die große Truppe ist schön. Jeder bringt seinen eigenen Blickwinkel auf die Dinge ein und so haben wir stets genügend Gesprächsstoff. Wir zwei Jungs sind die Reiseleiter und Bestimmer. Eine kleinere Gruppe wäre sicherlich besser, um nochmehr in Kontakt mit der lokalen Bevölkerung zu kommen. Aber auch in unserer 4er-Konstellation haben wir bis jetzt schon viele spannende Geschichten mit Einheimischen erlebt.

Wie habt ihr eure Route festgelegt?

Wir sind kein Freund der Planung bis ins kleinste Detail, denn dies macht einen blind für spannende Abstecher. Uns war eine Grobplanung wichtig, die uns noch viel Freiraum lässt. Am meisten geholfen haben uns dabei die folgenden beiden Blogs:

Wir bewegen uns auf der ursprünglichen Route Dresden – Prag – Budweis – Zwettel – Wien – Bratislava – Budapest – Belgrad – Sofia – Erdin – Istanbul. Zunächst folgten wir den Flussläufen der Elbe, Moldau und Donau, einfach weil dort ein Radweg existiert. Seit Serbien fahren wir nun  querfeldein,  da es nun keine Eurovelo-Routen mehr gibt. An diesen haben wir uns zum Anfang sehr stark orientiert, was sich auch definitv gelohnt hat. In der Türkei ist nun alles neu. Wir schwimmen im Fernverkehr der Schnellstraße D-100 mit. Gefühlt schnurgerade verläuft sie im Norden der Türkei in West-Ost-Richtung. Sie ist berühmt für gefährliche Bedingungen und viele Trucks. Die D100 ist nun für uns wie ein Fluss an dem wir uns entlang hangeln. Ab Samsun geht es dann Richtung türkische Schwarzmeerküste, um dann weiter nach Georgien zu gelangen.

Gab es unterwegs schon die ersten Routenänderungen?

Ja klar gab es Änderungen! Bis Budapest sind wir der Route zunächst gefolgt, da gab es nur kleine Änderungen. Dann entschlossen wir uns zu einem Abstecher nach Sofia, was so nicht geplant war. Die folgende Route von Sofia bis zur türkischen Grenze war dann ein absolutes Highlight – sowohl kulturell als auch von der Natur her. Das hatten wir gar nicht auf unserer eigenen touristischen Landkarte! Änderungen werden gemeinsam entschieden und soweit liegen wir absolut im Plan, trotz einiger lohnenswerter Umwege.

Was habt ihr an Ausrüstung dabei?

Wir haben uns für die Tour mit einigen essentiellen Gegenständen wie neuem Fahrrad, Zelt und kleineren Sachen ausgestattet. Das meiste ist allerdings gebraucht und eher zum Neukauf während der Reise gedacht, damit das alte Zeug mal wegkommt. Zelt und Campingausrüstung haben wir dabei, obwohl wir oft auch eingeladen werden. Das macht uns aber unabhängig. Und damit wir nicht zuviel mitnehmen müssen, teilen sich zum Beispiel immer 2 Personen in einen Kocher – das ist eigentlich schon zu viel, aber man weiß ja nie…

Ist dies eure erste große Tour?

Für die meisten von uns ist es nicht die erste große Tour, außer vielleicht für Johanna. Wir haben alle schon Reiseerfahrungen und verschiedene Auslandsaufenthalte auf allen Kontinenten im Gepäck.

Mit welchen Fahrrädern seid ihr unterwegs?

Wir haben Intec bzw. Patria Räder mit einer 14-Gang-Nabenschaltung von Rohloff und ansonsten Standardausrüstung, die jedoch vor allem auf Haltbarkeit und Langlebigkeit ausgesucht wurde.

Musstet ihr eure Jobs aufgeben/Studium unterbrechen?

Joschi – Sabbatical
Ludwig – Job gekündigt
Nina – Urlaubssemester
Johanna – Sabbatical

Wie liefen die letzten Tage vor dem Start?

Es herrschte große Aufregung. Ist wirklich alles dabei? Doch schon nach den ersten Kilometern merkst du: Am Ende brauchst du weniger als gedacht. Auch kann man unterwegs inzwischen ja fast alles kaufen, außer einige spezielle Ersatzteile, wie unsere Ortlieb- Taschenkammern, die schon gebrochen sind. Auch bei Ersatzteilen für die Bremsen wird es schwierig. 26 Zoll Räder empfehlen sich, die gibt es überall auf der Welt. Zum Glück blieben wir bis jetzt von größeren Pannen oder sogar Unfällen verschont.

Wie läuft der Alltag im Fahrradsattel konkret ab?

Wir stehen früh um 7 Uhr auf, wenn die Sonne uns weckt oder schlafen bis 10 Uhr wenn es regnet. Irgendwann muss man dann aber doch los. Auch im Regen und davon hatten wir bis jetzt sehr viel. Unsere ersten beiden Wochen im Sattel erlebten wir im Dauerregen. Unser Zelt und die Ausrüstung waren immer nass. Das Frühstück ist eher spartanisch. Manchmal essen wir erst unterwegs. Ziel ist es bis Mittag möglichst 50 Kilometer zu schaffen, vor allem an den Tagen, wenn es nun zunehmend heiß wird. Dann gönnen wir uns eine lange Mittagspause mit Restaurantbesuch und danach nehmen wir weitere 50 Kilometer unter die Pedale. Wir fahren 18km/h im Schnitt auf die 3000km, inklusive Stadt- und Bergfahrten, da kann man sehr gut planen.
Abends zwischen 7 und 8 Uhr wird ein Zeltplatz gesucht, vorher wurde idealerweise schon eingekauft. Für das Abendessen nehmen wir uns dann wieder Zeit und machen es uns so gemütlich, wie möglich mit Lagerfeuer, Bier und Schnaps. Oder mit den Gastgebern lange sitzen und sich austauschen. Um 11 ziehen wir uns dann in unsere Zelte oder Zimmer zurück.

Wo übernachtet ihr?

Die meiste Zeit übernachten wir im Zelt. In den Städten fühlen wir uns in Apartments oder Airbnb-Unterkünften allerdings sicherer – vor allem wegen unserer Fahrräder. Diese Mischung passt bisher richtig gut.

Wie sind euch die ersten 2 Monate im Sattel bekommen?

Klopf auf Holz: Bisher haben wir weder körperliche noch technische Probleme. 2 Tage Poschmerzen sind wirklich nicht der Rede wert. Dafür erleben wir ganz viel sehr gute Laune, Musik im Ohr und Landstraße, herrliche Natur, wunderbare und spontane Begegnungen und Erfahrungen in jedem Land. Bis jetzt sind die Lieblingsländer klar Serbien und die Türkei. Die Leute sind dort bisher am freundlichsten und interessieren sich für unser Vorhaben. Große Augen gibt es immer, einige halten uns sicherlich für verrückt, aber die meisten bewundern unsere Leistung und unseren Mut. Autos hupen uns zu, Leute winken und alle reagieren wahnsinnig freundlich auf uns. Das macht uns glücklich, weil wir einen besonderen Zugang zu den Leuten haben. Dies motiviert uns. Wir sind keine typischen Touristen, das merken wir immer sofort.

Was bisher geschah – Szenen einer außergewöhnlichen Fahrradreise:

  • Die Polizei eskortiert uns mit Blaulicht
  • Menschen jubeln uns an der Straße zu
  • Handwerker laden uns zum Mittagessen ein
  • Ein Schäfer bringt uns Knoblauch und Brot zum Zelt
  • Ein Imker lässt uns auf seinem Grundstück schlafen und schenkt uns Schnaps & Honig
  • Die österreichische Dorfjugend in Wolfgingen trinkt mit uns die ganze Nacht
  • Wir schlafen beim Bauern in der Scheune
  • Freunde in Bratislava, Belgrad und Wien öffnen ihre Wohnungstür für uns
  • Warmshower.org – Mitglieder laden uns zum Duschen ein
  • Spontane Stadtführungen von Couchsurfern in Sofia und Belgrad

Wir danken Joschi für seine ersten Eindrücke und sind gespannt auf die Fortsetzung!

Per Rad von Dresden in die Mongolei – Teil 2

Per Rad von Dresden in die Mongolei – Teil 3

Per Rad von Dresden in die Mongolei – Teil 4

Falls auch ihr eine große Fahrradreise Richtung Zentralasien plant, lest doch mal unseren Beitrag zum Radfahren auf dem Pamir Highway in Tadschikistan.

Eure Constanze und euer Stefan

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