Iran – Tanzparty on the road

Im Iran ist öffentliches Tanzen verboten. In religiösen Familien werden selbst Hochzeiten geschlechtergetrennt gefeiert. In großen Sälen mit blickdichten Glitzervorhängen, sodass bitte niemand die Frauen bei diesem Vergnügen beobachten kann. Was für eine Umstellung für mich, die gern mal mit vollem Körpereinsatz dem Rhythmus der Musik folgt.

Können wir bitte anhalten … ich muss mal … tanzen

Doch wie sieht es wirklich aus? Sind Iraner tatsächlich so brüde?
Klingt Musik aus den Cafés oder den Autos von Teheran, sieht man Finger wippen oder Leute im Takt den Kopf bewegen. Natürlich habe ich von wilden Partys im Untergrund gehört, bei denen die reiche Jugend der Hauptstadt zu elektronischen Beats feiert. Doch wer nicht zur Elite gehört, kommt da nicht rein. Und die „ganz normalen“ Leute …was machen die?

Hey Mr DJ turn the music on…

Wir sind mit Freunden unterwegs von Yazd in ein kleines Dörfchen, in dem Laleh* aufgewachsen ist. Erst läuft Musik in gemäßigter Lautstärke. Sobald wir aber die Gassen verlassen haben und auf der Überlandstraße sind, dreht unser Fahrer Mohamad* die Anlage auf. Rhythmische persische Popmusik schallt durch den Wagen. Alle singen mit. Die Stimmung wird ausgelassener. Jetzt beginnt eine typisch iranische Autoparty. Denn die Mädchen fangen im Sitzen an, der Musik zu folgen. Yasaman* lächelt mich an und sagt: „Du musst lernen, mit deinen Augen zu tanzen.“ Verführerisch blickt sie im Takt erst nach rechts oben, dann nach rechts unten und beißt sich leicht auf die Lippen. Dann schaut sie mich an. Ich mache es ihr nach. Wir lachen.

Das nächste Lied hat mehr Bass. Alle klatschen mit oder schnipsen mit den Fingern. Wir wippen mit den Schultern. Dann kommen die Hände zum Einsatz, die wir typisch orientalisch kreisen lassen. Die Stimmung wird immer ausgelassener. Als wir auf der Landstraße zwischen zwei kleinen Dörfern das einzige Fahrzeug weit und breit sind, sagt Yasaman beschwingt, dass es nun Zeit sei für eine Tanzpause. Mohamad fährt rechts ran, dreht die Musik auf Anschlag. Der Bass dröhnt über die ergrünende Frühlingslandschaft und wir tanzen uns alle Verbote aus den Hüften. Nach fünf Minuten hören wir einen LKW herannahen. Wir lachen, schauen uns brav an und steigen wieder ein. Weiter geht die Fahrt. Später sagt Mohamad: „Wir haben vielleicht keine großen Clubs wie ihr in Europa. Aber wir haben Autos, die uns Freiheit geben.“

Im wilden Kurdistan

Ein ganz besonders tanzwütiges Volk sind übrigens die Kurden im Westen des Irans. Die Bergbewohner sind im ganzen Land für ihre Kreistänze berühmt, bei denen Frauen in knallfarbigen Glitzerkleidern und Männer in ihren typisch weiten Kurdenhosen sich an die Hände nehmen. Soran* sagte mir stolz, dass er als Kurde nie auf die Idee kommen würde, seine Hochzeit geschlechtergetrennt zu feiern. Ein besonderer Tipp ist es, an einem Freitag, also dem iranischen Sonntag, einen Ausflug in die Natur von Kurdistan zu planen. Denn dieser Freizeitbeschäftigung gehen auch die Einheimischen nach. Und so werden Teppiche, große Gaskocher, Essen, Spielzeug und alle Kinder und Verwandten in Autos verfrachtet und auf satt-grünen Bergwiesen wieder ausgeladen. Dort verbringt man den ganzen Tag am Lagerfeuer, kocht Tee und genießt die frische Luft. Und was machen Kurden, wenn dann aus dem Auto kurdische Rhytmen erklingen?

Ihr dürft nur einmal raten!

Tanzen natürlich!

Sie nehmen sich an die Hände, heben die Füße und legen los mit den traditionellen Schrittfolgen, die jedes Kind beherrscht. Der Vorderste fischt schnell ein Tuch aus der Tasche, Tschopi genannt, mit dem er wedelt und den Reigen anführt.

Und was hat das mit Zuhause zu tun? Hier in Deutschland tanzen die meisten Leute leider erst, wenn sie einigermaßen betrunken sind. Dabei können wir uns viel vom alkoholfreien Lebensgefühl der Iraner abschauen. Denn das wäre mal was für heimische Autofahrten, wenn es auf der  Autobahn wieder richtig langweilig wird: „Constanze und Stefan, haltet bitte an. Ich muss mal TANZEN!“

Eure Steffi
*Namen sind geändert worden

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