Per Rad von Dresden in die Mongolei 2 – Georgien und Aserbaidschan

Georgien – hier fühlt man sich zu Hause

Batumi am Schwarzen Meer

Angekommen in Batumi, nur wenige Kilometer von der türkischen Grenze entfernt, kommt man sofort in eine neue Welt. Eine kleine gemütliche Altstadt verschmilzt mit dem neuen georgischen Investment Boom. Der Badeort für Georgische, Armenische und Russische Touristen ist eine klasse Möglichkeit, um die Batterien aufzuladen und sich am Strand zu entspannen. Es gibt ohne Ende Casinos und tolle Hotels sowie viele kleine, günstige Hostels wo wir schon viele, viele Radler getroffen haben. Batumi ist ein Nadelöhr, durch das viele Rucksacktouristen und Fernradler durchkommen und sich treffen.

Das Kernland: Gastfreundschaft, Einladungen, Genussradeln

Ich fahre mit Wil, einem Schweden über den Norden, von Ozurgeti nach Gori. Auf kleinen, meist 15% ansteigenden Straßen kämpfen wir uns durch Hitze und Regen. Wir lernen die unglaubliche Gastfreundschaft der Georgier kennen und werden zum Chacha (Tresterbrand), Wein und einem zünftigen Abendessen eingeladen. Einmal niedergelassen, fällt der Abschied schwer.  An sensationell guten Campingspots hapert es aber nicht. Wir fahren durch kleine Täler, auf Asphalt und Schotterstraßen gefüllt mit riesigen Pfützen. Wir müssen oft schieben und einfach durchs Wasser fahren. Die „Straße“ ist irgendwann nur noch Schlamm und kaum noch von der restlichen Landschaft zu unterscheiden. Natürlich geht es rechts und links abfallend den Hang hinunter, gefährlich ja, aber unglaublich aufregend und richtig viel Adrenalin beim Fahren. Wir übernachten ohne Abendessen abgekämpft auf einem Berg und hören nachts die Wölfe. Wir besichtigen Gori, Stalins Geburtsstadt und das Stalinmuseum, was wirklich kitschig und verherrlichend ist. Aber die Landschaft davor und danach ist atemberaubend. Wir schlafen in einem verlassenen Haus, treffen Daniel und Antonia, ein Tandempärchen was nach Indonesien fährt. Zusammen lassen wir uns bis nach Tiflis auf der herrlichen Landstraße treiben. Es macht einfach nur Spaß hier. Geselligkeit und Trinkfestigkeit zeichnen die Georgier aus. Das Essen ist allererste Oberklasse. Viele kleine Bäckereien bieten eine Vielzahl von Backwerken, gefüllt mit Käse und Wurst zu schier unglaublich niedrigen Preisen, sehr lecker.

Ich mach Pause und schau mir das Land an

Angekommen in Tiflis treffen wir auf eine echt schöne Stadt. Im Hostel lernen wir viele Backpacker und natürlich wieder Radfahrer kennen. Wir verabreden uns zum International-Cyclist-Dinner bei dem sechs Nationen vertreten sind. 10 Personen die sich allerhand Geschichten erzählen und Tipps austauschen. Zu unserer Verwunderung stellen wir fest, dass viele fast parallel und zu gleicher Zeit an gleichen Orten gewesen sind. Man verpasst sich leicht. Trifft sich aber auch leicht wieder. Daniel und Antonia zum Beispiel begegnen wir an den unglaublichsten Orten, die nicht immer auf der Route liegen. So macht das Radlerleben Spaß. Es bleibt dennoch Zeit, um das Land mit dem Jeep zu erkunden. Ich steige vom Bock und genieße Georgien. Stefan und Conni hielten eine Überraschung für mich bereit:

Wir sind mit unserem Freund Joschi ständig in Kontakt. Wir als Georgienfans wollten ihm eine Freude machen und organisierten ihm kurzerhand eine viertägige Rundtour zu wunderschönen Plätzen, die man nicht unbedingt per Rad erreicht. Nach so vielen Kilometern im Sattel muss auch mal verschnauft werden. Das geht nirgends besser als in Georgien. Das Land ist relativ klein und überschaubar. Fahrten über Land dauern nicht lang. Man kann in kurzer Zeit viel sehen. So führte Joschis Tour in den Hohen Kaukasus zum Prometheusberg Kasbek, wo bei einer Wanderung auch mal andere Muskelgruppen beansprucht wurden. Auf der Georgischen Heerstraße ging es dann nach Kachetien, der bekanntesten Weinregion des Landes. Wahrlich ein Paradies für Liebhaber köstlicher Tropfen. Etliche Besichtigungen von Kulturdenkmälern und Kirchenbauten im fruchtbaren Alasanital waren eine willkommene Abwechslung zum Radfahren. Das Höhlenkloster Davit Garedscha in der Halbwüste war für Joschi eine Art Kontrastprogramm und ein Vorgeschmack auf das Landschaftsbild Aserbaidschans. Natürlich wurde auch eine SUPRA (feierliche Zusammenkunft von Georgiern und Freunden) abgehalten – einmal zu Gast sein bei Georgiern – Erlebnisse die man nie mehr vergisst. Joschis Eindrücke sagen mehr als Tausend Worte: „Danke Euch – es war Weltklasse!“

Es geht weiter in den Süden

Wir verlassen Tiflis, nachdem wir bei einem Künstler im Atelier geschlafen haben. Blöderweise zur Mittagsstunde, was keine gute Idee ist, weil es brennend heiß ist und eine Menge Verkehr herrscht. Wir erkämpfen uns aber wie immer die 130km und schlafen in der Weinregion um Telavi. Am nächsten Tag treffen wir auf zwei Kölner, Ben und Luca. Gemeinsam fahren wir nach einem vermeintlich letzten Bier über die Grenze nach Aserbaidschan.

Aserbaidschan – die Überraschung schlechthin

Angekommen am Hitzepol

Angekommen in Aserbaidschan fühlen wir uns in einer grünen Landschaft komplett wohl. Die Räder schlucken zwar nur schwer an Kilometern, weil es in der Hitze auch nur noch bergauf geht. Entschädigung gibt es dafür am abendlichen wilden Zeltplatz direkt an einem Bach. Die Schakale jaulen uns regelmäßig in den Schlaf. Uns geht es sehr gut, ein neues Land will erobert werden. Die Sonne ist allerdings ein limitierender Faktor. Wir merken schnell, dass wir uns schützen und vor allem jede Badegelegenheit wahrnehmen müssen. Kurz vor Säki geht es in der Mittagsstunde bergauf, ein Horrorberg der eigentlich ganz einfach wäre, aber die Hitze ist so krass, das wir viele Pausen machen müssen.

Jeder trifft jeden irgendwann einmal

Wir werden schlussendlich zum beginnenden Zuckerfest, Ende des Ramadan, zum Essen eingeladen und erkunden danach die Altstadt, wo wir wieder auf eine Gruppe Radler treffen, mit denen wir eine Facebook-Gruppe gründen. Jeder trifft jeden irgendwann einmal, aber an dem Tag sind zufällig alle zur selben Zeit am selben Ort, auch Daniel und Antonia.

Melonenstand in der Wüste

Die nächsten Tage macht uns die Sonne zur Qual. Härter sind nur noch die Berge und die LKWs, die sich direkt neben uns auf engen Pässen den Berg hochschieben und manchmal wird man auch mal abgedrängt. Einmal war es so steil, das ich nicht einmal mehr aufs Rad steigen konnte. Vielleicht war ich auch zu fertig, aber die Abfahrt ist dafür genauso steil und vor allem kühlend. Wir kommen in eine wüstenähnliche Gegend. Wir schlafen unter freiem Himmel unter einem klasse Sternenhimmel. Am nächsten Tag führt uns eine endlos lange Straße durch die Wüste, wo wir zum Melonenessen eingeladen werden, ein bizarrer Ort für einen Melonenverkauf. Alle Sorten schmecken hervorragend. An der Mila-Milch-Fabrik, Aserbaidschans größtem Milch-Fabrikanten, gibt es ohne Ende Schokomilch und Eis. Nun geht es rein nach Baku.

Baku – die reinste Autobahn

Die Autofahrer geben uns Platz, wir befinden uns auf einer 12-spurigen Autobahn. Mit hupendem Autocorso und winkenden Passanten fahren wir in die Hauptstadt, ein tolles Gefühl. Wir besetzen zwischenzeitlich vier Spuren und lassen uns vom Windschatten der vorranfahrenden Autos ziehen. Baku hat gerade die Formel 1 ausgerichtet und so fahren wir natürlich im Race-Modus die Strecke ab, stellen die Unfälle von Vettel und Hamilton nach und genießen die Stadt. Ein Pausentag gibt uns Zeit, das Iranvisum in der Botschaft abzuholen. Das ging wirklich schnell und einfach. Als wir die Stadt verlassen, herrscht unfassbarer Seitenwind. Jetzt sind wir in der Wüste und liegen schräg in der Luft, bis sich das Ganze in Rückendwind verwandelt und wir ganz entspannt mit 40km/h auf der Autobahn in den Sonnenuntergang fahren. Ein wenig früher die Zelte aufzuschlagen, wäre klasse gewesen. Ab jetzt heißt es: Sonnenuntergang = Mückenzeit! Fiese Tiere, mit denen wir uns einen echten Kampf außerhalb und innerhalb des Zeltes liefern. Die Strecke zur Grenze ist mit vielen Baustellen und LKWs wirklich anstrengend. Die Hitze gibt uns den Rest. Stramm fahren wir weiter und erreichen schließlich herrliche Küstenabschnitte und Strände, wo wir uns endlich abkühlen können.

Iran ist nicht mehr weit

Einen Tag vor der Grenze zum Iran feiern wir den Gewinn des Confed-Cups mit Aserbaidschanischen Männern in einem Restaurant. Am nächsten Tag erreichen wir auf dem Weg nach Astara eine Quelle, bei der das Wasser brennt. Wahnsinn, ein artesischer Brunnen. Lecker und noch dazu gesund. Wir trinken die letzte Flasche „Kettenfett“ (Schnaps) aus und machen uns auf den Weg zur iranischen Grenze, die echt schwer zu finden ist. Alles irgendwie nicht spaßig, aber wir schaffen es und das nächste Abenteuer beginnt.

Noch ein paar Live-Worte von Joschi

Ich schwitze hier grad mächtig im Zelt und die Tastatur ist nass, ich schicke dir das Ganze wenn ich Internet habe. Die Grundidee ist aber, LETS PUSH, weniger Kilometer sind manchmal mehr, Leute lernt man immer mehr und besser kennen. Angebote darf man nicht ausschlagen, Geschenke gibt es überall und Anstrengung wird immer belohnt. Seit Tiflis fahre ich mit meinem Kumpel Ludwig und seit der Grenze zu Aserbaidschan mit zwei Kölnern. Wir sind ein super 4er Team, kommen gut voran und teilen alles. Tolles Team, es rollt. Sind nun schon 6800km gefahren! IRAN IST KLASSE! Hoffentlich klappt`s mit dem Turkmenistan Visum.

Und nun?

Das Visum für Turkmenistan wurde leider nicht erteilt. Joschi ging es wie fast allen Packpackern und Radfahrern. Wahrscheinlich wollen die Turkmenbaschis vor ihren Asian-Games  keine „unorganisierten Traveller“ ins Land lassen. Das kennt man von denen. Joschi schaut sich jetzt den Iran an und fliegt in knapp zwei Wochen nach Taschkent in Usbekistan. Dort geht´s dann auch weiter…

Per Rad von Dresden in die Mongolei – Teil 1

Per Rad von Dresden in die Mongolei – Teil 3

Per Rad von Dresden in die Mongolei – Teil 4

Per Rad von Dresden in die Mongolei – Teil 5

Den Kaukasus erleben:

Nummer 1 für Reisen nach Georgien ist in Deutschland DIAMIR-Erlebnisreisen aus Dresden.

In Georgien wendet man sich an Visit Georgia in Tiflis. Lela und Alexander können von Kulturtrips bis hin zu anspruchsvollen Bergtouren alles organisieren.

Wer sich gute Weine aus Georgien kommen lassen will, bestellt in Hamburg bei GeoVino.

 

 

 

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Iran - Tanzparty on the road
Per Rad von Dresden in die Mongolei 3 - Iran

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