Per Rad von Dresden in die Mongolei 4 – Usbekistan

1001 Nächte in Usbekistan

Nein, so viele Nächte hat Joschi natürlich nicht in Usbekistan verbracht. Von Teheran ging es mit dem Flieger nach Taschkent – in die Hauptstadt von Usbekistan. Was er in dem Land der Perlen der Seidenstraße erlebte, lest ihr hier…

Taschkent – Sowjet Schatz

Taschkent mit dem Fahrrad zu erkunden ist ideal. Die Stadt ist groß und nach sowjetischem Maßstab mit riesigen Straßen und Plätzen angelegt. Alles ist ein wenig überdimensioniert. Die Gebäude sind groß, weiß und immer mit verspiegelten Außenflächen versehen. Amur Temur ist der wichtigste Volksheld, nach ihm sind viele Straßen und Plätze samt Statuen benannt. Man findet herrliche Bazare und einige klasse Museen, darunter das Museum der sowjetischen Repression, sehr interessant und ein privater Guide erklärt einem für 2 Stunden die ganze Geschichte Usbekistans.

Das Art-Hostel in Tashkent bot uns die beste Erholung seit langem. Mit Bier am Pool lässt es sich dort gut aushalten. Viele Reisende erzählen von ihren Plänen und so steigt die eigene Motivation, nach einem Tag Pause wieder loszulegen.

Quer durch Usbekistan

Die Straße von Taschkent nach Samarkand (300 Kilometer Entfernung) ist wenig spannend, geradezu langweilig. Es ist immer noch wahnsinnig heiß und der starke Verkehr macht die engen Autobahnpassagen manchmal gefährlich. Nach einem Tag treffe ich allerdings schon einen Holländer, den ich zuletzt in Serbien getroffen habe. Wir fahren ein paar Stunden zusammen weiter. Zum Glück gibt es hier eine Nebenstraße, die parallel zur Autobahn verläuft.

Ich finde dann kein Wasser und auch kein Restaurant, bin ein wenig ausgehungert und habe keinen Appetit. Ich bin wieder allein auf der Autobahn in der Hitze auf dem Weg nach Jizzakh. Das Essen schmeckt nicht mehr, ich muss mich zwingen und trinke ohne Ende Cola und Wasser. Es hilft nichts, irgendwie bin ich ganz schlapp und fertig. Abgekämpft erreiche ich nach 150 Kilometern meinen geplanten Campingspot. Verschwitzt und unzufrieden schlafe ich ein.

Der nächste Tag wird nicht besser. Das Einzige, was mich aufmuntert, sind die drei Kühe vor meinem Zelt, die mich beim Aufstehen beobachten. Ich habe keinen Hunger, zwinge mich jedoch ordentlich zu frühstücken. Nach den ersten 5 Kilometern im Sattel wird mir schwindelig. Trotz kurzer Pause, befällt mich das Schwindelgefühl schon nach weiteren 5 Kilometern. Heute fühle ich mich wie eine Schnecke. Ich beiße die Zähne zusammen – die 80 Kilometer bis ins Hostel in Samarkand muss ich schaffen.

Kurz vor Samarkand setze ich mich in ein Restaurant und werde von drei Usbeken eingeladen, mich mit an den deren Tisch zu setzen. Sie sehen sofort, dass es mir nicht gut geht. Vor allem nachdem ich nichts essen kann und mir einfach nur schlecht ist. Sie meinen ich soll einen dicken Wodka mit Salz trinken, mache ich auch, aber es hilft überhaupt nichts. Sie laden mich dann zu meinem Glück zu sich nach Hause ein.

Ich folge dem Chevrolet, jedes Auto hier ist ein Chevrolet, bis in einen schönen Hof. Man erklärt mir auf bestem Englisch und sogar Deutsch, das der Gastgeber 2 Jahre in Dresden seinen Militärdienst abgeleistet hat. Ich darf duschen und mich in einen Raum hinlegen zum Schlafen. Als ich aufwache ist der Tisch gedeckt, es gibt diesmal eine ganze Flasche Wodka, Suppe, Salat und Plov. Mir geht’s schon viel besser und so kann ich mir auch mit Vergnügen das Fotoalbum mit Bildern aus der DDR ansehen, welches mir mein Gastgeber stolz präsentiert. Er war überall und mochte Ostdeutschland sehr.

Ich treffe auf meiner weiteren Reise noch 3 andere Usbeken die in Dresden stationiert waren. Nach einer herzlichen Verabschiedung, mache ich mich auf den Weg nach Samarkand. Die Motivation ist wieder hoch, ich schaffe es auch wirklich gut und lande im Hostel, geduscht im Bett, herrlich, endlich eine Klimaanlage.

Samarkand – das Juwel

Samarkand erkunde ich mit Wil dem Schweden, den ich hier wie verabredet im Hostel treffe. Wir wollen wieder gemeinsam fahren, so wie in Georgien. Wir gehen abends essen, der Holländer und ein Engländer sind mit von der Partie. Als wir ins Restaurant kommen, sehe ich Johanna, die ich seit Istanbul aus den Augen verloren habe, wieder. Was ein Zufall, sie ist mit 6 anderen Radlern dort zum Essen. Natürlich fahren auch noch Ludwig und Nina mit dem Rad vorbei. Ab jetzt treffen sich alle Fahrradfahrer auf der Route und das macht Spaß.
Die Cyclist Community ist echt klasse, ich bin froh dazugehören zu können. Samarkand ist jedenfalls das absolute Juwel mit herrlichen Plätzen und Moschen, Mausoleen und Bazaren. Das muss man gesehen haben und nicht zu Unrecht ist es die schönste Stadt in Zentralasien.

Ab zur Grenze

Nach ein paar Tagen Erholung geht es zusammen mit Will dem Postboten aus Stockholm und Martin dem Polizisten aus Hamburg gen Süden mit Ziel Qarshi, die siebtgrößte Stadt Usbekistans. Es ist einer dieser besonders schönen Tage, Rückenwind und eine herrlich gerade Straße machen uns heute so richtig Spaß, bis Will drei Platten hintereinander in der prallen Sonne flicken muss.
Wir wollen essen gehen, aber es gibt nur ein Restaurant und das Essen ist barbarisch fleischig und die Küche extrem eklig. Wir haben danach auch alle einen flauen Magen, aber wir müssen essen. Leider müssen wir nun die Erfahrung anderer Radfahrer und Individualreisenden teilen, die uns von Durchfall und Magenproblemen sowie häufigen Reifenpannen ab Usbekistan erzählt hatten.

Wir erreichen Qarshi und suchen uns ein Zimmer. Das ist nicht so einfach, denn gerade heute ist Schach-Turnier. Zusätzlich müssen wir uns noch bei der Polizei registrieren lassen. Eine der komischen Regeln für Touristen in diesem Land ist, dass man alle 72 Stunden eine Registrierung benötigt, um ohne Strafe das Land wieder verlassen zu dürfen.

Überhaupt ist es nicht mein Lieblingsland. Der Verkehr ist echt dicht, das Klima unangenehm heiß und schwül und die Leute zwar nett aber auch immer ein wenig komisch drauf. Besonders nervt hier das gutgemeinte Hupkonzert der Autos und LKWs, die vielen schreienden Menschen die uns echt sonderlich zurufen und der Gestank der Straße. [Anmerkung von Conni und Stefan: Lieber Joschi, leider lagen die zwei schönsten Perlen Usbekistans Chiwa und Buchara nicht auf deiner Route, sie hätten dich mit dem Land versöhnt.]

Sensationell sind jedoch einige unserer Campingspots, wie zum Beispiel kurz nach Boysun in einem Canyon in der Wüste. Faszinierend diese Steinformationen, das Bad im winzigen Bach und die Aussicht bei Vollmond über die Wüstenlandschaft. Bei Martin ist an nächsten Morgen ein schwarzer sehr tödlicher Skorpion im Zelt, mal wieder Glück gehabt und nichts ist passiert.

Taschkent und Samarkand haben mir sehr gefallen. Dazwischen liegt eigentlich ein großes Nichts. keine Einkaufs- oder Essgelegenheiten und als Radler steht man manchmal vor schwer planbaren Etappen. Ich bin froh, an die Grenze nach Tajikistan zu kommen. Der letzte Tag wird mit einem Festmahl in einem sehr guten Restaurant in Denov gefeiert. Bier und Fleischspieße sind hier gut und wir versöhnen uns wieder mit Usbekistan und den letzten schwierigen Tagen.

Die Grenzkontrolle ist wieder ein wenig lustig, das Gepäck wird zwar durchleuchtet, aber niemand scheint so richtig zu arbeiten und zu kontrollieren. Wichtig ist eher der Papierkrieg, die Registrierungen der Übernachtungen geben wir dem Grenzer, er gibt uns den Ausreisestempel – geschafft. An der Tajikischen Grenzstation geht es witzigerweise direkt mit einem Schild 5% Anstieg hinauf als würde man uns sofort sagen wollen das es nun sehr bergig wird. Die Vorfreude ist enorm auf das was nun folgen soll.

Euer Joschi

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