Per Rad von Dresden in die Mongolei 8 – Mongolei

Mongolei – Das große weite Nichts ist für uns das große Glück und einfach Alles

Wir kommen in Ölgii an und suchen uns sofort eine Jurten-Unterkunft mitten in der Stadt, ist ein wenig seltsam aber eben Tradition. Wir heizen den Ofen an und sind so happy in der Mongolei zu sein. Das erste Essen ist ein voller Erfolg und dann auch noch die Visaverlängerung, die man komischerweise in der ersten Woche machen muss, völlig problemlos abgeschlossen. Wir überlegen uns also eine Route von West nach Ost quer durch die Mongolei nach Ulan Bator. Auf jeden Fall wollen wir es nochmal bis ins Altai-Gebirge schaffen und fahren daher ein Stückchen weiter westlich nach Tsengen.

Oh Gott, Schmerz lass nach

Unmittelbar hinter dem Flughafen von Ölgii beginnt wieder die Sandpiste. Es geht bergauf und bergab, überall nur Sand. Unglaublich anstrengend. Wir sehen allerdings viele Kamele und werden zum Tee in eine Jurte eingeladen. In den nächsten 4 Tagen auf dieser kleinen Schleife Richtung Altai passiert mir so viel Mist, wie in den vergangen 6 Monaten nicht. Schon am ersten Tag bersten meine beiden Fronttaschen, besser gesagt: Die Halterungen. Ich vermute, dass es an der Kälte liegt. Ich hab voll die schlechte Laune danach, wir quälen uns weiter durch den Sand und schaffen gerade mal lumpige 35-45 km am Tag.

Unsere erste Nacht verbringen wir zwar an einem sensationellen Spot, umringt von Kamelen, aber die Kälte trifft uns hart. Wir kochen im Zelt, es sind nachts über -20 Grad! Am nächsten Morgen ist alles eingefroren: Das Wasser, die Kette, die Heringe… Natürlich brechen nun auch noch die letzten Halterungen und die Taschen springen ständig ab bei den ganzen Bodenwellen, Kanten und Löchern. Zum Glück gibt es Kabelbinder, aber auch diese brechen nach wenigen Minuten, nichts hält außer ein paar Ersatzschnürsenkel. Wir kommen in ein Dorf, meine Laune ist immer noch schlecht, das Panorama traumhaft, das Essen klassischerweise sehr fleischlastig.

Wir radeln weiter auf Sand bergan, nun gesellt sich noch ein Gegenwind dazu, der sich gewaschen hat. Neben uns trottet eine Viehherde. Die haben das gleiche Tempo wie wir! Ich bin noch nie so langsam gewesen, wie ein Esel, der gemütlich einen Berg hochtrottet. Das macht mich fertig, ich habe keine Lust mehr auf dieses Terrain. Nirgends Autos oder Menschen, wir sind im absoluten Outback.

Schließlich erreichen wir Tsengen, das Tor zu den Altai-Nationalparks. Hier erfahren wir, dass die Weiterfahrt wegen Schnee blockiert und unmöglich ist. Die Enttäuschung ist groß, doch zum Glück findet sich recht schnell eine Übernachtungsmöglichkeit bei einer Familie in der Jurte. Es wird ein sehr lustiger Abend, wirklich herzlich und warm.

Am nächsten Morgen fahren wir über eine geteerte (!) Parallelstraße zurück nach Ölgii. Nach etwa 30 Minuten Fahrt geht es einen kleinen Berg hinunter und ich lasse es laufen. Plötzlich endet das Asphaltband unter einer Sanddecke. Ich fliege im hohen Bogen auf die Fresse, echt auf die Fresse.
Ich kann mich erst mal nicht bewegen, dies ist mein schlimmster Sturz. Alle Radtaschen sind abgeflogen, meine Schulter tut weh, die Kamera ist kaputt, sogar Steine unterm Mantel. Da hilft nur aufstehen und reparieren.

Es muss weitergehen, hier kommt doch eh keiner vorbei. So geht es einen ewig steilen Anstieg auf Sand hoch. Wir müssen zwischendurch eine Rast einlegen – die Kraft ist weg. Ich kann nur noch schieben, die Schulter schmerzt, ich bin am Limit. Oben angekommen ein toller Blick und eine krasse Abfahrt, allerdings ganz langsam. Ich habe Schiss, kann kaum richtig lenken und alles tut weh. Da hilft nur eine Schmerztablette. Die schlucke ich dann täglich eine ganze Woche. Wir kommen abends in einem Dorf vor Ölgii an und schlafen wieder drin bei netten Leuten. Man muss nur klopfen und für 5€ gibt es ein Bett samt Abendessen.

Der nächste Tag nach Ölgii ist relativ einfach und meine Laune verbessert sich. Die Schmerzen bleiben jedoch und ich kann mir kaum Jacke oder Socken anziehen. Das wird bis zum Ende der Reise so bleiben. Das wird natürlich hart, aber hier ins Krankenhaus zu gehen oder jetzt aufzugeben, ist einfach nicht drin.

Ölgii – Khovd – Wow ist das schön hier

Bevor wir Ölgii am nächsten Tag verlassen, kauft sich Ludwig spontan eine Kamera. Das wollte er schon immer machen und jetzt ist der richtige Zeitpunkt. Wir brechen auf nach Khovd, endlich wieder richtiger Asphalt unter den Reifen. Mann, tut das gut, eine unbeschreibliche Fahrt. Vorbei an riesigen Seen radeln wir auf einer brandneuen Straße. Später wird sich herausstellen, dass hier“ chinesische Arbeitsbienen“ am Werk sind und die neue Trasse einmal quer durch das ganze Land ziehen. Wir campen weiterhin draußen. Mittlerweile klappt das trotz der Kälte recht gut. Nur früh ist es hart, aber man kann sich bei der Morgenhygiene ja im eiskalten Bach aufwärmen…

Heute erreichen wir leider schon das Ende der neuen Straße und weiter geht es über Stock und Stein. Khovd ist das nächste Aimag (Bundesland). Wir gehen abends köstlich essen und besuchen danach das Aimag Heimatmuseum, was wir nun in jeder „Stadt“ tun werden. Die urbanen Räume haben hier nie mehr als 20.000 Einwohner. Dazwischen empfängt einen die unendliche Weite mit toller Landschaft und Natur. Hier und da ein paar Jurten mit ein paar Nutztieren.

Es gibt Momente für uns beide, in denen wir uns absolut sicher sind, wir sind angekommen, das ist unser Lieblingsland. Die Natur ist hier atemberaubend und unwahrscheinlich weit, offen und einfach frei. Ich fühle mich hier noch freier als irgendwo anders, kann man doch mit dem Rad überall lang, Straßen gibt es eh keine, die Berge so flach ansteigend, dass man direkt hochfahren kann, das ist echt genial. Allerdings sehen wir keinen einzigen Baum, auch kein Wasser. Ich frage mich, wie man hier überleben kann. Wahrscheinlich brauchen die Mongolen deswegen das Vieh, um an Flüssigkeit zu kommen. Nur die Wiederkäuer können die spärliche und recht trockene Vegetation verwerten. Bewirtschaftete Flächen haben wir hier nicht gesehen – wie auch bei dem ganzen Sand.

Khovd – Altai – Ab durch die Wüste

Von Khovd nach Altai fahren wir nun durch die Gobi, vorbei an dem Mongol Els – dem flächenmäßig größten Sanddünengebiet der Mongolei und durch eine endlos scheinende Ebene umringt von Bergen.

Wir sehen viele Obos, tibetische Steinhaufen und drehen immer unsere Runden. Obos sind quasi Steinmännchen – nur in groß. Man findet sie eben nicht nur in Tibet auf Gebirgspässen, sondern auch in der Mongolei. Es soll Glück bringen, diese „Reisegottheiten“ dreimal zu umrunden und einen Stein von ganz unten nach oben zu legen, während man an seine Wünsche denkt.

Kurze Zeit später kommt es wieder zu einem dieser unvergesslichen Momente, als wir aus dem Augenwinkel einen großen Vogel sehen. Mich durchzuckt der Gedanke – da ist noch irgendwas anderes. Also biegen wir von der von der Hauptstraße ab, die Kamera im Anschlag und auf einmal steigen 30 Geier auf. Riesige, majestätische Tiere mit über 2 m Spannweite! Sie rennen los und heben ab. Am Boden bleiben allerhand Fleischreste und Knochen zurück. Es ist in diesem Land noch Brauch, dass man die Toten auf die Erde legt und den Aasfressern überlässt. So schließt sich der Kreislauf.

So faszinierend Wüstenlandschaften sein können, so schnell wird es doch auch langweilig für den Radfahrer, wenn er stundenlang immer geradeaus fahren muss. Die Anstiege sind zwar nicht steil, ziehen sich dafür aber über Kilometer hin und man sieht einfach den Scheitelpunkt nicht.
Beim Abendessen in Bulgan klauen mir zwei Kids den Tacho. Die Polizei hilft sofort und alle rennen wie wild durchs Dorf. Wir finden den kleinen Schwerverbrecher, der schon eine Narbe über das ganze Gesicht trägt. Seine Zukunft scheint auch nach dem Ding hier besiegelt. Der 12-jährige soll weggesperrt werden. Ich verzichte auf eine Anzeige und so kommt er wieder auf freien Fuß. Der Tacho ist allerdings kaputt.

Wir zelten außerhalb des Dorfes. Nach dieser Aktion müssen wir erst wieder zu uns kommen. Bis zur nächsten Stadt Altai sind es nun 240 km durch das Nichts. Außer einer „Tankstelle“ nur Einöde. Wir nehmen ordentlich Wasser mit, fahren und fahren, mit Gegenwind geht es dann nicht weiter. Wir schleichen an der Mongol Els vorbei, werden von paar Truckern zum Mittag auf der Straße eingeladen und zelten in der Wüste. Ein Tag, der wieder all unseren Willen fordert.

Aber am nächsten Morgen geht es genauso weiter und wir schleppen uns bis zur Tanke. Dort gibt es in einer Jurte Mittagessen von einer gerade geschlachteten Gemse. In Altai angekommen, checken wir in ein kleines Hotel ein. Wir sehnen uns nach einer Dusche. Die letzte ist fast schon wieder eine Woche her. Die Mongolen haben es anscheinend nicht so mit der Hygiene. Zum krönenden Abschluss genießen wir das bisher beste Essen hier in der Mongolei in einer kleinen, von Truckern empfohlenen Cafeteria. Die Fernfahrer wissen halt, wo es am besten schmeckt. Dann steht natürlich noch das Heimatmuseum auf unserem Kulturprogramm. Sehr schnell merken wir jedoch, dass es fast das Gleiche bietet, wie in Khovd. Aber eine andere Zerstreuung findet sich hier nicht.

Altai – Uliastai – Wolfsland, grhhhh

Wir wollen nun Richtung Norden nach Uliastai und verlassen die wieder schöne Asphaltstraße. Erst hagelt und schneit es, dann regnet es immer heftiger – der Himmel ergießt sich über uns. Einen Platten und ein paar tolle Abfahrten später nehmen wir einen Berg und campen oben. Wir haben im Zelt unsere kleine Lampe an und das kann man sehr weit sehen. Abends herrscht auf den Straßen immer Verkehr, die Leute kommen nach Hause. Tagsüber sieht man üblicherweise niemanden. Ein paar Autos wollen wissen was da leuchtet, die Pferde kommen an und eben alles was neugierig genug ist, schnüffelt ums Zelt.

Es geht weiter über Sand und Sand und Sand und Sand. Diese Anstrengung, das Gefühl viel zu langsam zu sein, nicht voranzukommen, immer wieder steckenzubleiben, nie zu rollen, immer nur zu treten. Es zerrt an den Nerven, brennt sich ein – ich glaube, dieses Gefühl werde ich nie vergessen. Gerade dann, wenn du denkst – das geht immer so weiter, da kommt nichts anderes mehr, verändert sich die Landschaft doch wieder, ganz spontan. Es tauchen viele Steine und Bergkuppen auf, ein kleiner Fluss mit einer Herde, rote Erde und eine abgebaute Jurte mit einer wartenden Frau. Solch kleine Details werden dann für dich zu tollen Momenten.

Mittagessen gibt es in den kleinen Dorfshops, natürlich chinesische Fertignudeln mit Wasser und manchmal Pferdefleisch. Wir fahren und fahren, abends wird es dann immer richtig kalt und wir gehen nur noch in den Schlafsack.

Der nächste Tag wartet schon. Die Sonne wärmt sofort, genauso wie eine warme Milch in einer Jurte. Es gibt kleine Leckereien aus Milch und Fleisch, Joghurt und herzliches Lachen. Die Mongolen sind klasse. Heute sind wir genau 6 Monate unterwegs, und dieser Tag hat natürlich alles: Mehrere Flussquerungen mit dem Rad, langes radeln, bergauf bergab, Einladungen und ein spontanes Vodkatrinken an einem Obo mit einer bunten Reisegruppe. Uns wird Schnupftabak und Vodka angeboten, jeder will uns verköstigen. Irgendwann wird es dann ein wenig ruppig und laut. Wir ergreifen die Flucht und fahren beschwipst den Berg hinunter nach Uliastai.

Wir freuen uns riesig, diese Etappe geschafft zu haben. Schnell ist ein perfektes, kleines Hotel gefunden und ab geht es in die Karaoke Bar. Dieser Tag muss gefeiert werden. Uliastai ist ein herrlicher Ort in der Mongolei. Ein Fluss trennt Neustadt von Altstadt, viele einladende Restaurants, ein Kloster auf einem Berg in der Stadtmitte und dann gibt es da natürlich noch das obligatorische Heimatmuseum. Dieses Mal jedoch in einer interessanteren und moderneren Version. Hier gönnen wir uns den ersten Pausentag in der Mongolei.

Uliastai – Tsetserleg

Weiter geht es über den Fischpass und wir gelangen durch weite Täler nach Telmen. Vereinzelt säumen nun Bäume den Weg, es wird direkt ein bisschen schön. Es scheint, wir haben nun Steppe und Wüste endgültig hinter uns gelassen. Das gibt uns neue Kraft und wir radeln wieder frohen Mutes.

Draußen schlafen fühlt sich gut an, auch wenn es weiterhin hart bleibt und es immer wieder vorkommt, dass die Heringe im Boden einfrieren und wir uns die Fingerkuppen an den eiskalten Zeltstangen aufreißen. Mit gefrorenen Händen und tauben Füßen treten wir verbissen in die Pedale. Das Extreme ist eben voll unser Ding.

Um Tosontsengel wird die Strecke dann richtig schön, leicht wellig, perfekter Asphalt und als Kulisse ein herrliches Tal. Leicht rollen wir dahin und kommen bis Ikh Uhl.

Der nächste Tag empfängt uns wieder mit Eiseskälte. Wir meistern einen Pass und wollen uns zur Belohnung ein warmes Frühstück kochen. Doch Wind und Kälte lassen es nicht zu. Wir setzen entkräftet unseren Weg fort und entscheiden uns nach wenigen Metern zu trampen. Wir haben riesiges Glück, denn es kommt ein Auto vorbei und nimmt uns mit bis nach Tariat. Nun setzt auch noch Schneefall ein, aber das sind wir inzwischen auch schon gewohnt. Aber Kälte und Wind sind schlimmer als der Schnee.

So auch am nächsten Morgen, wir starten um 11 Uhr bei Sonnenschein, Gegenwind und -12 Grad. Die Straße ist voller Eis – entsprechend schwierig ist das Radfahren. So radeln wir zwei Stunden und frieren uns einen ab. Auf einmal ist die Straße eisfrei und wir haben Rückenwind. Unerwartet schaffen wir 130 km und das auch noch mit Spaß. Kurz vor Tsetserleg erreichen wir eine Kneipe.

Es wird ein lustiger Abend. Wir essen gerade Zuivan, klassische mongolische Nudeln mit Fleisch, als in der Küche der Kneipenvater zum Zerfleischen eines Murmeltiers einlädt. Das Tier wurde samt Haut im Feuer gebraten. Uns wird ein schwarz verkohltes Etwas mit Schwanz und Krallen präsentiert. Dann geht ein Messer reihum. Jeder schneidet an dem Vieh herum, als plötzlich eine Reisegruppe in das Lokal stürmt, in helles Gelächter ausbricht, in die Küche rennt und sich an dem Murmeltierspektakel beteiligt.

Die folgenden Szenen sind nichts für einen empfindlichen europäischen Magen. Der eine popelt, der nächste hat die Hand in der Hose – alle hantieren mit ein und demselben Messer und wir mitten drin genießen das köstliche verbrannte Nagetier. Es schmeckt nach Kräutern und ist extrem fettig.

Wir gehen schlafen. Mitten in der Nacht poltern vier besoffene Mongolen in unser Zimmer, schmeißen sich mit auf unser Bett, es wird telefoniert, mit den Türen geknallt, unsere Getränke geleert und nach ein paar Stunden steigen alle sturzbesoffen in ein Auto und nach 20 Minuten Anlassversuchen brausen sie davon.

Gerädert erreichen wir am nächsten Tag endlich Tsetserleg.

Endlich, endlich Ulan Bator

Weiter geht es bereits am nächsten Tag nach Tsenkher, zu den heißen Schwefelquellen. Eine wilde Fahrt offroad durch Flüsse, Eis und Berge endet in einem Tal mit einigen Hotels. Wir freuen uns schon, allerdings ist niemand dort, alles ist zu. Nach einer kurzen Pause mit Bad im heißen Schlamm, schauen wir uns in dem Ort genauer um und gehen noch einmal zu einem Hotel, wo wir Arbeiter gesehen haben. Klasse, wir dürfen hier für einen kleinen Obulus schlafen.

Es gibt einen Pool mit heißem Schwefelwasser, eine Dusche und ein Bett. Die Arbeiter und Arbeiterinnen richten für die nächste Saison vor. Abends, wie sollte es auch anders sein, ist dann zufällig eben in diesem Haus die größte Party des Jahres. Der Abschluss der Renovierungen wird gefeiert und alle Vorräte müssen vertilgt werden, denn am nächsten Tag ist Übergabe. Für uns das reinste Paradies. Es fließt Bier ohne Ende, Schnaps auf Raten und es gibt Essen für 20 Leute. Ich tanze mit jeder Dame und jedem Mann durch den Gastraum, es werden an dem Abend nur fünf Songs gespielt, da hat man am Ende echt alle Tanzschritte drauf.

Mit Kater geht es zurück zur Asphaltstraße, die Taschen voll mit Würstchen und Käse vom Hotelpersonal. Das nächste Etappenziel heißt Karakorum, die ehemalige Hauptstadt des Mongolischen Reiches, Dschingis Khan lässt grüßen. Leider haben die Chinesen von der einstigen Burg nicht viel übrig gelassen. Das Kloster hier ist Weltklasse. Übertroffen wird es nur noch vom hiesigen Museum. Wir fahren heute weiter, denn Ulan Bator rückt so langsam in greifbare Nähe. Wir rattern über den Asphalt und schaffen mit vollem Siegesmut die Tagesetappe, obwohl ich die letzten 20 km vollkommen einbreche und gefroren ankomme.

Der nächste Tag läuft entspannt – wir haben nicht mehr viele Kilometer vor uns. Ein letztes Mal schlafen wir bei einer alten Dame. Es gibt noch einmal leckere mit Fleisch gefüllte Teigtaschen, dann gehen wir ins Bett. Leider schlafen wir schlecht, die ganze Nacht ist in dem Zimmer Betrieb und es kommen wieder viele Leute dazu.

Der letzte Tag einer langen Reise. 50 Kilometer trennen uns noch von unserem Ziel Ulan Bator. Die letzten Tage schwang bei mir immer eine ordentliche Portion Trauer mit, dass es nun bald vorbei sein soll. Aber heute fühlt es sich einfach toll an, zu wissen, dass wir heute unser gesetztes Ziel erreichen werden. Ich bin stolz und glücklich. Wir trinken bereits früh am Morgen den ersten Schnaps. Die Stadt verrät sich bereits aus der Ferne durch den Smog, der über ihr hängt.

Die Einfahrt in die Stadt zieht sich ewig hin. Irgendwann treffen wir zufällig auf den Vizepräsidenten vom mongolischen Fahrradverband, der begrüßt uns herzlich und bringt uns zu unserem Fotospot. Flo, der Franzose, den wir in Tsetserleg kennengelernt haben, fotografiert uns und wir stehen nun vor dem Parlament in Ulan Bator. Es ist vollbracht, die Freude riesig, wir liegen uns in den Armen, es wird gelacht und erzählt.

Viele Leute fotografieren uns und wollen wissen, was wir dort machen. Wir sind angekommen, nichts gibt es Schöneres heute, ich genieße den Moment und blicke noch nicht zurück.

Vor meinem inneren Auge erscheint ein kleiner Steckbrief der letzten 6 Monate, den ich erstmal sacken lassen muss:

  • 16 Länder bereist
  • 13.500 Kilometer von Dresden bis nach Ulan Bator abgerissen
  • 90.000 Höhenmeter erkämpft
  • über 720 Stunden im Sattel gesessen

Heute wird gefeiert, der Triumph ist groß, die Freude und das Bier vermischen sich zur übergroßen Gewissheit, es „einfach gemacht“ zu haben und zu wissen, dass die Welt eigentlich ziemlich klein ist.

Ich will mich an der Stelle bei allen Freunden bedanken, die mir Mut gegeben haben. Besonders natürlich bei Ludwig der mit mir dieses Wahnsinnsabenteuer gewagt hat. Außerdem bei allen Unterstützern von Ortlieb, Panasonic, Vaude, Craghoppers, Radsport Päperer und Bike24, ohne das richtige Equipment geht’s einfach nicht! Viel zu verdanken habe ich natürlich auch DIAMIR und 7o7 Marketing, die mich für dieses Abenteuer frei gestellt haben und mir immer eine große Hilfe waren, besonders Conni & Stefan!!!

Als letztes der Dank und der große Respekt für das Vertrauen von meiner Familie ohne die ich nie hier stehen würde. Ohne Sorgen geht es einfach nicht, auch nicht beim nächsten Abenteuer. Aber ihr habt mich sensationell unterstützt, auch schon lange vor Reiseantritt, mir Rat gegeben um immer die richtige Entscheidung zu treffen. Ohne euch Drei hätte ich nicht so einfach aufbrechen können.

Euer Joschi

Hier könnt ihr noch einmal alle Stationen von Joschi’s Fahrradtour nachvollziehen:

Per Rad von Dresden in die Mongolei 1 – Balkanländer und Türkei

Per Rad von Dresden in die Mongolei 2 – Georgien und Aserbaidschan

Per Rad von Dresden in die Mongolei 3 – Iran

Per Rad von Dresden in die Mongolei 4 – Usbekistan

Per Rad von Dresden in die Mongolei 5 – Tadschikistan

Per Rad von Dresden in die Mongolei 6 – Kirgistan

Per Rad von Dresden in die Mongolei 7 – Kasachstan

 

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