Armenien im „Kleinen Kaukasus“ – vergessen oder noch unentdeckt?

Bari Galust Hayastan – Willkommen in Armenien!

Liebe Reiselustige,

Der „kleine Kaukasus“ ist vermutlich für viele Europäer noch ein weißer Fleck auf der Landkarte, dabei hat Armenien so unglaublich viel Potenzial. Ein Zusammenspiel aus einzigartiger Landschaft, unendlicher Gastfreundlichkeit mit tollem Essen und nicht zuletzt der erstaunlich bewegten Geschichte macht das Land so reizvoll.

Natürlich kann genau das jeder von uns in sämtlichen Reiseführern nachlesen aber nicht nur deswegen, sollte man Armenien unbedingt auf die To-See Liste setzen. Denn dass es darüber hinaus zahlreiche private Organisationen gibt, die sich für den Ausbau und die gesunde Entwicklung des Tourismus in Armenien einsetzen, wird fast nirgends erwähnt, wenn man nicht gerade danach sucht. Was wirklich toll, aber andererseits auch irgendwie erschreckend ist – von staatlicher Seite kommt nicht wirklich viel. Alte, eingestaubte Strukturen aus grauen Zeiten scheinen leider noch nachzuwirken. Es ist Zeit für eine Renaissance! Und ich glaube: es bewegt sich schon so einiges!

Im Zuge eines FAM-Trips (Familiarization Trip = Kennlerntour) hatte ich die Möglichkeit bei einigen der Organisationen reinzuschnuppern.

My Armenia

Als erstes muss ich die Organisation MyArmenia nennen, die für die Reise ein unglaubliches Programm auf die Beine gestellt hat. Es handelt sich dabei um ein Tourismus-Programm über fünf Jahre, aktuell sind sie im zweiten Jahr, welches vom State Tourism Committee, Smithsonian Institution und USAID gegründet wurde, um den Tourismus in Armenien voran zu treiben und um FAM-Trips für internationale Reiseanbieter zu veranstalten/ auszuschmücken. Einzigartige Leute mit großem Eifer, die einem Armenien noch schmackhafter gemacht haben und mich letztlich total mitgerissen haben.

NURIK – Community and Tourism Development Center / Armenian young woman association

Die wunderbare Lilit, Gründerin des Programms, hat mir viel über ihre bereits vergangenen und zukünftig geplanten Vorhaben erzählt. Es setzt sich vorrangig für junge Frauen in Armenien ein. Da dies selbstverständlich nicht nur mit Spenden finanziert werden kann, bietet das NURIK Center diverse Aktivitäten, wie auch z.B. das Basteln von authentischen Puppen – ein bei Touristen beliebtes Souvenir. Zudem wurde gezeigt, wie gefülltes armenisches Brot und Gata (eine Art Kuchen, landes-typisches Dessert) im Steinofen gebacken werden. Eine sehr interessante Führung durch das alte Kloster Akthala im Norden des Landes rundete den Tag mit Lilit nachhaltig ab.

Armenische DIASPORA

Finanziell gefördert wird hier übrigens zu großen Teilen durch die DIASPORA. Die armenische Diaspora versteht sich als ethnische, kulturelle und religiöse Gemeinschaft von in der Fremde lebenden Armeniern, die dem Land, gerade finanziell, sehr unter die Arme greift bzw. Gelder überlegt in bedürftige Projekte investiert. Man stelle sich vor: weniger als 1/3 der 10 Millionen ethnischen Armenier wohnt heutzutage noch im Mutterland. Zu den Zentren der DIASPORA zählen Russland, die USA, Frankreich, aber auch Georgien oder Iran. Die amerikanische NuMetal-Band System of a Down, der Chansonnier Charles Aznavour oder der Ex-Tennisstar Andre Agassi sind einige bekannte Vertreter mit armenischen Wurzeln in der Weltöffentlichkeit, die das Land auf verschiedenste Art fördern.

Die Areni Cave 1

In der bekanntesten Weinregion Areni liegt die sehr interessante Höhle (5000-4000 v. Chr.). Boris Gasparyan, der Tour-Guide auf der Höhlentour, ist selbst der Verantwortliche bzw. das Oberhaupt der Organisation. Er setzt sich dafür ein, dass die dort vorhandenen Ausgrabungen bekannter werden. Mit individuellen Touren und sonstigen finanziellen Zugewinnen will er die Forschungen in der Höhle vorantreiben. Ein beeindruckender Mann – ich habe mich nach der Führung noch sehr lange mit ihm unterhalten und es ist so schön zu sehen, dass jemand mit so viel Enthusiasmus und Leidenschaft hinter einer Sache steht. In der Ausgrabungsstätte hat er sozusagen die älteste Weinproduktionsstätte Vorderasiens aufgedeckt. Diese und zahlreiche weitere Überbleibsel aus der Vergangenheit sind die Beweise dafür, dass die Menschen damals teilweise schon enorm fortschrittlich waren. Für jeden, der historisch und auch archäologisch interessiert ist, lohnt sich ein Besuch auf jeden Fall!

Wein: Armenien vs. Georgien

Die wenigsten wissen und auch ich war überrascht, dass nicht nur Georgien für guten Wein bekannt ist, sondern auch in Armenien Wein angebaut wird. Dies sogar in Zusammenarbeit mit dem Studienzentrum Weinbau & Önologie der deutschen Hochschule Geisenheim sowie lokalen armenischen Ausbildungsanbietern. Ein speziell gefördertes Ausbildungsprogramm wurde auf die Beine gestellt, um Einheimischen die Möglichkeit zu geben, sich in der Gastronomie- und Hotellerie-Branche weiterzuentwickeln. Ich selbst habe vorher noch nie ein Weinlabor gesehen, geschweige denn wusste ich, auf was Wein alles geprüft werden kann/muss. Es war ein toller Einblick.
Und der ewige Zwist zwischen Georgiern und Armeniern zum Thema Rebensaft wird wohl noch in der Ewigkeit geführt, aber seid gewiss – das geschieht hier auf völlig harmloser Ebene und ist wahrlich amüsant.

Zurückblickend bin ich sehr dankbar, so viele besondere Menschen mit ihren interessanten Geschichten kennengelernt zu haben.

Natürlich ist dies nur ein kleiner Teil der Informationen, die ich bei dieser außergewöhnlichen Reise erhalten habe, deswegen kann ich jedem nur wärmstens empfehlen, das alles selbst zu erleben.

Vielleicht konnte ich einige für das Land sowie für authentische Unternehmungen, Aktivitäten und nicht zuletzt Begegnungen abseits der üblichen Touristenpfade begeistern.

Liebe Grüße, Lav mna
Eure Julia

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