Chiatura – eine Stadt fährt Seilbahn

Junge, was willst Du dort?!

Meine Freunde in Tbilissi schütteln nur den Kopf und winken ab. Was ich dort suche, werde ich gefragt. Dort gibt es nichts außer alter rostiger Bergbahnen und Fabrikruinen. Genau deshalb möchte hin – sowas muss man gesehen haben!

Nicht etwa Weingüter oder gar die hohen Gipfel im Großen Kaukasus waren Ziel meiner letzten Reise, sondern die westgeorgische Bergbaustadt Chiatura (auch: Tschiatura). Eine Region die eigentlich nur wenige Touristen zu Gesicht bekommt. Für mich hingegen ist Chiatura Kult.

Schwerindustrie im Südkaukasus

Der Südkaukasus hat eben auch ein ganz anderes Gesicht. Wer mit offenen Augen durch´s Land fährt oder sich wirklich mal Zeit nimmt für Details wird auch auf dem wunderschönen Balkon Europas Spuren von einstiger Schwerindustrie wahrnehmen. Hier in Georgien wurde gefördert, in Armenien veredelt und dann in die Welt exportiert. Samtredia oder Senaki auf der Ost-West-Tangente sind solche Orte die regelrecht schwarz sind und schier Fabrikgelände mit angrenzenden Wohnsiedlungen sind. Ebenso ein Ort ist Chiatura. Jedoch liegt der Bergbauort malerisch in einer mächtigen Schlucht der Kvirla. Von der Hauptroute zwischen Tbilissi und Kutaissi fahrt Ihr knappe 100km Umweg.

Manganerz aus Chiatura

Einst war sie eines der größten Manganerzförderzentren der Welt. Nach dem Zerfall der UdSSR ging es hier leider rapide bergab. Mangan von Chiatura war nicht mehr gefragt, Betriebe schlossen und eine Abwanderungswelle der Bevölkerung begann. Übrig geblieben sind u. a. die alten Seilbahnen, die heutzutage alle Menschen kostenfrei nutzen können. So, wie wir die Straßenbahn nutzen, wird dort Seilbahn gefahren.

Ich hatte die Chance, Menschen aus Chiatura auf ihren Fahrten zu begleiten. Was für die Georgier Alltag ist, verlangte uns Touristen eine gesunde Portion Mut ab – und das liegt nicht nur an der schwindelerregenden Höhe. Teilweise sind die Gondeln über 60 Jahre alt. Wer also neben unzähligen Kirch- und Klosterbesichtigungen mal einen Adrenalinkick braucht, dem sei Chiatura wärmstens empfohlen.

Ach übrigens, nutzt die Gelegenheit solange die alten Bahnen noch fahren. Die Österreicher und Italiener bauen bereits neue, moderne Kabinenbahnen. Das nimmt der ganzen Sache dann irgendwann sicher den Reiz. Jetzt fahrt Ihr noch für Umsonst, später vielleicht nicht mehr…

Viel Spaß und Mut wünscht Euch,

Stefan „Hilde“ Hilger

 

 

No Comment

Leave a reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Versteckt hinter den Wolken - Tuschetien
Im Herbst an Kamtschatkas magischem Kronotsky

MENU

Back

Share to